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So schaffst du es, dass dein Kind kooperiert

Shownotes

Kinder wollen Kooperieren. Wenn man das liest und daraufhin ständig in Situationen gerät in denen Kinder genau das Gegenteil davon tun, fällt es wirklich schwer daran zu glauben.
Wir haben uns gefragt, ob Kinder wirklich kooperieren wollen, warum sie es dann so oft nicht tun und was Eltern tun können, damit ihre Kinder sich kooperativer verhalten.

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Quellen: Jesper Juul - Dein kompetentes Kind Eine kurze Geschichte der Menschheit - Yuval N. Harrari Mein Familienkompass - Nora Imlau https://xn--generationen-gesprch-szb.de/zwischen-drill-und-misshandlung-johanna-haarers-die-deutsche-mutter-und-ihr-erstes-kind/ Im Grunde Gut - Rutger Bergmann Gespräche führen mit Hirn und Herz - Ben Kimura-Gross

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Transkript anzeigen

00:00:00: (Dynamische Musik)

00:00:01: Erinnerst du dich noch daran, wie das war kurz bevor unser zweites Kind

00:00:08: auf die Welt gekommen ist? Wie ...

00:00:11: Wie das war, wenn wir versucht haben, das Haus zu verlassen

00:00:15: mit unserem Kind, fast zweijährigen Kind?

00:00:18: Ähm, es war sehr schwierig.

00:00:20: Gerade im Winter. - Weißt du noch, wie das war?

00:00:23: Hast du noch aktive Erinnerungen daran?

00:00:25: Ich hab Erinnerungen, also, ich hab ...

00:00:26: meine Erinnerung ist, es ist Winter.

00:00:29: Das Kind hat irgendwie einen Schneeanzug an

00:00:31: und wir kommen einfach nicht so richtig vor die Haustür,

00:00:34: weil das Anziehen nicht klappt, wir kommen vor der Haustür nicht weiter,

00:00:38: weil das Weitergehen nicht klappt.

00:00:40: Ja, das ist meine Erinnerung im Prinzip.

00:00:42: Ja, ich hab mich auch noch daran erinnern,

00:00:44: wie wir teilweise beide Stunden lang, also gefühlt Stunden lang,

00:00:47: es waren wahrscheinlich nur Minuten auf dem Boden saßen

00:00:50: und versucht haben, das Kind in diesen Schneeanzug ...

00:00:53: zu zwängen mehr oder weniger.

00:00:55: Also, das klingt jetzt irgendwie heftig.

00:00:57: Wir haben so Anstalten gemacht, das so einfach anzuziehen.

00:01:00: Und dann haben wir halt aufgehört, wer wir gemerkt haben,

00:01:02: es klappt nicht, das Kind wehrt sich und das fühlt eh zu nichts.

00:01:05: Wir haben das Kind auch voll oft angezogen, einfach.

00:01:08: Das war nämlich noch, bevor wir angefangen haben,

00:01:11: uns mit gewaltfreier Erziehung auseinanderzusetzen.

00:01:13: Und ich weiß auch noch, dass diese Situation für mich

00:01:16: der ausstattgebende Punkt war, wo ich gesagt habe,

00:01:19: nee, es muss auch anders gehen.

00:01:20: Mhm. - Weil ich einfach ...

00:01:22: Also, irgendwie haben wir von Anfang an gesagt,

00:01:25: wir wollen jetzt anders erziehen, also wir wollen nicht mit Gewalt erziehen

00:01:28: und so weiter.

00:01:29: Und gleichzeitig haben wir dann gemerkt, so, ah, okay, ab hier ...

00:01:33: wie macht man das jetzt so?

00:01:35: Mhm. - Und ich weiß noch, dass ich dann ...

00:01:38: angefangen habe, Bücher zu lesen.

00:01:40: Und in den meisten Büchern stand immer drin,

00:01:44: Kinder wollen kooperieren.

00:01:45: Mhm. - Und ich war immer so, ja, haha.

00:01:47: Das steht auch immer bei Jesper Juul, Kinder wollen kooperieren.

00:01:51: Genau. - Und ich dachte immer, ja, okay, Kinder wollen kooperieren,

00:01:54: das Kind zieht halt den Schneeanzug trotzdem nicht an.

00:01:57: Und ...

00:01:59: ich glaube,

00:02:00: dass das so ein bisschen der Kern ist,

00:02:03: den viele Menschen ...

00:02:05: oder viele Eltern ...

00:02:08: also, das Kernproblem quasi.

00:02:10: Kinder wollen kooperieren, ja, okay, aber ...

00:02:13: was bedeutet kooperieren jetzt und warum macht das trotzdem nicht,

00:02:17: was ich sage? - Ja.

00:02:18: Es kam immer so vor wie, ja, okay, die wollen kooperieren,

00:02:21: aber du lost mich gerade aus, weil mein Kind

00:02:23: nicht den Schneeanzug an.

00:02:25: Ja, voll das wichtige Thema.

00:02:28: Und man denkt sich halt erst mal auch, ja, das mal ergibt's in,

00:02:31: Kinder wollen kooperieren, das sehe ich auch so.

00:02:33: Und dann kooperieren sie nicht.

00:02:35: Und man ist so ...

00:02:36: digger.

00:02:38: Irgendwas stimmt hier nicht. Was ist verkehrt?

00:02:40: Dachtest du, am Anfang sie wollen kooperieren?

00:02:43: Also, bevor du quasi diesen Buch gelesen hast?

00:02:45: Wenn ich das nicht, nein, und wenn ich das nicht als ich sie lesen habe,

00:02:48: dachte ich so, jo, finde ich gut, aber bevor ich es gelesen hatte,

00:02:52: war ich auch noch zu sehr vereinnahmt von ...

00:02:54: der gesellschaftlichen Meinung.

00:02:57: Kinder muss man irgendwie streng erziehen,

00:02:59: damit sie ja nicht auf der Nase herumtanzen oder so.

00:03:02: Also, da hatte ich, glaub ich, schon so diese Meinung internalisiert,

00:03:06: dass Kinder, wenn man nichts unternimmt,

00:03:08: gegen einen arbeiten und irgendwie aus der Tüte geraten.

00:03:11: Und man irgendwie so bisschen ...

00:03:13: Aus der Tüte geraten ist ein lustiges Sprich,

00:03:15: was kann dich noch gar nicht mehr? - Ja, genau.

00:03:18: Aber dass Kinder dann asozial werden,

00:03:20: wenn man ihnen nicht soziales Verhalten anerzieht?

00:03:24: Ja, weil das war nämlich auch so ein bisschen das,

00:03:26: was ich eigentlich dachte.

00:03:28: Also, dass man quasi Methoden braucht,

00:03:30: damit Kinder einem das tun, was man sagt.

00:03:33: Und ich hab halt in der Hoffnung ...

00:03:35: Also, ich hab angefangen, diese Bücher zu lesen.

00:03:38: Ähm ...

00:03:39: Aus verschiedenen Beweggründen erstens wollte ich wissen,

00:03:42: warum unser Kind nicht macht, was wir wollen.

00:03:45: Also, ich wollte wissen, ob wir quasi jetzt schon,

00:03:47: bei unserem noch nicht zweijährigen Kind in der Erziehung

00:03:49: komplett versagt haben.

00:03:51: Kleiner Spoiler haben wir mit eins,

00:03:53: das ist auf jeden Fall die Erziehung gelaufen.

00:03:56: Man hat versagt, wenn die Kinder da nicht spuren.

00:03:58: Ja, aber das waren halt so Unsicherheiten, die ich einfach hatte.

00:04:01: Und dann zu lesen, Kinder wollen kooperieren,

00:04:04: hat mich schon auch ein bisschen manchmal verzweifelt,

00:04:07: weil ich finde, in vielen Büchern wird das so angerissen

00:04:10: und dann so stehen gelassen.

00:04:11: Ja, das ist quasi so eine Prämisse,

00:04:13: die wird so einen Raum geworfen, Kinder wollen kooperieren.

00:04:16: Ah, okay.

00:04:18: Und warum will man es nicht? - Ja, genau.

00:04:20: Und deshalb dachten wir, wir würden mit dem Thema

00:04:24: eine komplette Podcast-Folge, weil ich glaube, viele Eltern

00:04:28: haben da dieselben Fragezeichen, die wir auch hatten

00:04:31: und manchmal haben. - Yes.

00:04:33: Ich hab im Rahmen der Recherche zu der Folge auf jeden Fall

00:04:36: auch noch mal ein bisschen was dazugelernt.

00:04:38: Cool, ich auch.

00:04:39: Also, ich denke, es haben jetzt auch schon alle rausgehört,

00:04:42: dass Kooperation höchstwahrscheinlich nicht dasselbe ist wie Geräuschen.

00:04:46: Wie Spuren.

00:04:47: Was verstehst du unter Gehorsam?

00:04:49: Kooperation ist eher so was wie im Team agieren

00:04:53: und was gemeinschaftlich machen.

00:04:56: Und Gehorchen hat ja mit einer Hierarchie zu tun.

00:04:59: Also, Gehorchen tut man ja, wenn einem jemand von oben etwas diktiert,

00:05:05: ob man das machen muss.

00:05:07: Ja, genau.

00:05:09: Also, Gehorsam ist quasi erzwungen, entsteht durch äußeren Druck,

00:05:12: zum Beispiel Erpressung, Manipulation oder auch Angst

00:05:14: und beruht in der Regel auch auf Hierarchien.

00:05:17: Für die Definition von Kooperation bin ich auf Jesper Juul zurück.

00:05:22: Den hast du ja auch gerade schon erwähnt.

00:05:24: Ich hab jetzt nicht nachgeguckt, ob es derjenige war,

00:05:27: der den Begriff erfunden hat, aber ich glaube, er hat ihn schon groß gemacht,

00:05:30: insbesondere in dem Buch "Dein kompetentes Kind".

00:05:32: Ich glaub, er hat das vor allem in die Kindererziehung reingebracht,

00:05:36: hat sich mal diesen Kooperationsgedanken.

00:05:38: Ja.

00:05:39: Und Jesper Juul sagt, Kooperation bedeutet,

00:05:42: die Bereitschaft hat, sich an die Bedürfnisse der Eltern

00:05:45: und der Gemeinschaft anzupassen.

00:05:46: Also, die Bereitschaft, sich an die Bedürfnisse

00:05:49: und die Erwartungen der Eltern und der Gemeinschaft anzupassen.

00:05:53: Und er hat gesagt, dabei gibt es zwei Ebenen.

00:05:56: Nämlich einmal die offene Kooperation,

00:05:59: das ist, wenn du dein Kind sagst, putz deine Zähne

00:06:01: und dein Kind putzt die Zähne.

00:06:02: Also, wenn direkte Anweisungen befolgt werden.

00:06:05: Es gibt aber auch noch die verdeckte Kooperation.

00:06:08: Und die nennt er auch destruktive Kooperation.

00:06:12: Ähm, und das ist die Art von Kooperation,

00:06:17: wenn Kinder sich an unausgesprochene Erwartungen

00:06:22: oder Dynamiken innerhalb der Familie anpassen.

00:06:26: Also, das passiert im Großen, zum Beispiel auch generell in Familien.

00:06:30: Dass Geschwister unterschiedliche Interessen entwickeln,

00:06:33: kann auch daran liegen, dass sie quasi feststellen,

00:06:36: in diesem Bereich ist schon belegt, jetzt gehe ich in den anderen Bereich.

00:06:39: Es hat man halt entwicklungspsychologisch festgestellt.

00:06:42: Das passiert aber auch im Kleinen.

00:06:44: Jesper Jules sagt halt auch,

00:06:47: dass er davon ausgeht in vielen Situationen,

00:06:49: in das Kind in Anführungszeichen trotzig reagiert.

00:06:52: Dass es sich dann eigentlich einfach nur an Erwartungen der Eltern anpasst,

00:06:56: die diese nicht offen kommunizieren.

00:06:58: Und dass es dann so eine Art verdeckte Kooperation einfach ist

00:07:02: vonseiten des Kindes.

00:07:04: Gleichzeitig sagt er aber auch,

00:07:06: dass es für nicht Kooperation auch häufig einen anderen Grund geben kann,

00:07:11: nämlich zum Beispiel, dass das Kind einfach nicht dazu in der Lage ist,

00:07:14: zu kooperieren, weil er sagt ja auch, es ist die Breitschaft zu kooperieren.

00:07:18: Aber wenn das Kind halt eine eigene Grenze hat,

00:07:20: sei es eine körperliche oder eine emotional-psychische,

00:07:23: dann ist es eben auch nicht mehr dazu bereit zu kooperieren.

00:07:26: Und dann kooperiert das auch nicht.

00:07:28: Ich glaube auch vielleicht noch mal in anderen Worten,

00:07:32: dass Kooperation auch was Freiwilliges ist,

00:07:36: was halt aus eigenen Stücken passiert.

00:07:39: Stimmt, ja.

00:07:41: Und was aus einem sozialen Gedanke raus passiert,

00:07:44: so wie gegenseitige Hilfe und so.

00:07:46: Ich glaube, unter diesem Aspekt ist Kooperation auch zu betrachten.

00:07:53: Das habe ich jetzt tatsächlich auch aufgeschrieben.

00:07:54: Er sagt auch, Kooperation ist freiwillig und basiert auf Beziehungen.

00:07:58: Ja. - Das heißt ...

00:07:59: Und nicht auf Hierarchie und Druck von oben.

00:08:01: Das wäre dann wieder gehorsam.

00:08:03: Also eigentlich ist Kooperation von Gehorsam zu unterscheiden,

00:08:07: weil Gehorsam ...

00:08:08: Wenn Kinder Gehorsam sind, dann würden sie ja quasi alles tun,

00:08:12: auch wenn sie dabei über ihre Grenze gehen, was ihre Eltern sagen,

00:08:16: weil sie eben auch Angst von negativen Konsequenzen haben.

00:08:19: Und Kooperation geht eben nicht so weit.

00:08:21: Kooperation ist einfach nur so eine grundsätzliche Bereitschaft,

00:08:24: den Eltern quasi zu folgen.

00:08:26: Ja, und die Konsequenz davon ist ja,

00:08:28: dass man auch immer mit Kindern kämpfen muss, um Gehorsam.

00:08:32: Also du musst dann ja immer Druck ausüben von oben.

00:08:35: Du musst dir ja immer irgendwie erpressen.

00:08:37: Du musst emotional oder körperliche Gewalt ausüben,

00:08:40: damit Kinder immer gehorchen. - Ja.

00:08:43: Also man muss quasi keine Extra-Energie aufwenden

00:08:47: für Kooperation in dem Sinne.

00:08:49: Theoretisch, genau.

00:08:50: Also natürlich muss man Energie aufwenden,

00:08:53: aber man muss nicht kämpfen.

00:08:55: Genau, also eine Kooperation funktioniert nur ohne Kampf.

00:08:58: Und sonst ist es eigentlich auch gar keine Kooperation mehr.

00:09:01: Ja, dann ist es auf jeden Fall super wichtig,

00:09:03: Gehorsam und Kooperation in der Erziehung nicht zu verwechseln.

00:09:06: Aber früher zu Wildbeuterzeiten

00:09:08: haben die Menschen eigentlich ohne große Hierarchien gelebt.

00:09:12: Und dann wird das bedeuten,

00:09:14: dass so dieses Gehorsam sich irgendwann eingeschlichen hat.

00:09:17: Ja, nein.

00:09:21: Also man geht davon aus,

00:09:23: dass zu Wildbeuterzeiten die Menschen

00:09:25: in den anderen Gruppen gelebt haben und dass viele auch keine Hierarchien hatten.

00:09:29: Aber es gab halt schon auch kulturelle Unterschiede

00:09:31: zwischen den Gruppen. - Stimmt.

00:09:33: Das heißt, es gab schon auch Gruppen, in denen es starke Hierarchien gab.

00:09:36: Darf ich kurz das sagen? - Ja.

00:09:38: Das ist halt einfach voll wichtig, im Kopf zu haben,

00:09:40: weil man tendiert immer dazu, ganz schnell zu sagen,

00:09:43: ja, Wildbeuter waren so oder so.

00:09:45: Aber es gab halt Gruppen von so 50 bis 100 meisten Menschen.

00:09:50: Und es gab ja wirklich viele Gruppen

00:09:52: die alle halten ihre eigene Kultur und ihre eigene Gesellschaft an sich.

00:09:56: Also es ist schwer, bei ihnen Kamp zu scheren.

00:09:59: Genau, also so grundsätzlich kann man schon sagen,

00:10:01: dass die meisten Kulturen der Wildbeuter eher keine Hierarchien hatten,

00:10:06: sondern auf Kooperation basierten, also auch auf gegenseitiger Kooperation.

00:10:10: Gleichzeitig war aber auch der Gemeinschaftsgedanke sehr groß geschrieben.

00:10:15: Das heißt, ich habe zum Beispiel im Buch "im Grunde Gut von Rudger Bregmann",

00:10:19: der geht da auch so ein bisschen näher noch drauf ein.

00:10:22: Und dann ist es so gelesen,

00:10:24: dass die ganz viel auch über Scham gearbeitet hatten

00:10:27: und über wie so einen zurückhalten.

00:10:29: Das heißt, wenn die zum Beispiel vom Jagen kam und zusammen am Feuer saßen,

00:10:33: wurden halt die beschämt, die halt geprahlt haben

00:10:35: oder die wurden halt dann so richtig runtergemacht.

00:10:37: Also wenn jetzt halt jemand so pralarisches Verhalten gezeigt hat,

00:10:40: dann wurde der halt so richtig emotional runtergemacht

00:10:43: und so fertig gemacht und fast so gemobbt,

00:10:45: bis er halt quasi nicht mehr pralarisch ist.

00:10:47: Weil halt so dieses Ding von "Wir sind alle gleich"

00:10:49: halt sehr groß geschrieben wurde sozusagen.

00:10:51: Also Abstufungen von sich über den Lustigmachen

00:10:54: bis den halt komplett ausschließen oder töten.

00:10:57: Ja, wollte ich grad sagen.

00:10:59: Also wenn halt sich jemand auch wirklich gar nicht an diesen Gedanken angepasst hat

00:11:04: und immer wieder versucht hat, irgendwie mehr oder weniger so die Herrschaft

00:11:08: über die Gruppe zu übernehmen, dann wurde der halt einfach getötet

00:11:11: oder zurückgelassen.

00:11:13: Und gleichzeitig gab es aber auch Kulturen, die halt auch stark stärkere Hierarchien hatten.

00:11:17: Aber auf jeden Fall war es dadurch auch eher so,

00:11:19: dass die Gruppe dann nicht mehr so gut geworden in alles

00:11:22: und halt durch Nachahmung und Einbindung in die Aktivitäten

00:11:25: dann mehr oder weniger gelernt haben.

00:11:27: Und alle Konsequenzen, die jetzt mit Nicht-Kooperation einhergegen waren natürlich.

00:11:32: Also wenn die Gruppe zum Beispiel weitergelaufen ist

00:11:34: und das Kind ist nicht mitgekommen,

00:11:36: man geht davon aus, dass nicht explizit gesagt wurde,

00:11:38: "Komm mit oder dass dem Kind hinterher gerannt wurde."

00:11:41: Aber wenn das Kind halt nicht mitgekommen ist,

00:11:43: dann blieb es halt zurück und dann wär's halt gestorben.

00:11:45: Und deshalb sind die Kinder an der Regel einfach nicht zurückgeblieben.

00:11:48: Und dann ist das ein bisschen gelauert und hat darauf gewartet,

00:11:51: dass so was passiert oder so.

00:11:53: Ich find's lustig, weil ich hab jetzt zum letzten Mal,

00:11:56: bin ich ja gleich eigentlich so mehr oder weniger von den Wildbeutern

00:11:59: in die Industrialisierung gesprungen.

00:12:02: Und ich hab mir diesmal ein bisschen mehr Zeit genommen,

00:12:05: das zu recherchieren, weil mir jemand geschrieben hat,

00:12:08: dass er so ein großer Fan ist vom antiken Rom.

00:12:11: Und immer wird das historisch ausgelassen.

00:12:13: Okay.

00:12:15: Deshalb gehen wir jetzt erst mal zu den antiken Griechen, okay?

00:12:17: Das ist ein Riesenzeitsprung.

00:12:19: Na ja, es war halt dann so der ...

00:12:21: Also quasi von der Sesshaftigkeit so,

00:12:24: das erste, wo man dann so richtig, richtig viel drüber weiß,

00:12:27: also vom antiken Griechen an, im antiken Grom,

00:12:29: hat man ja schon relativ viel.

00:12:31: Genau, da wurde es dann einfach ...

00:12:33: Also, da waren die Leute mittlerweile sesshaft.

00:12:35: Und in der im antiken Griechenland gibt es dann auch die ersten Erzählungen

00:12:39: von Erziehung generell, nämlich von Platon 375 vor Christus.

00:12:44: Und der entwarf ein Erziehungsmodell,

00:12:46: um Kinder optimal in die Gesellschaft einzuordnen.

00:12:49: Und das unter strengeren Disziplinen

00:12:51: und körperlicher Züchtigung bei Nichtgehorsam.

00:12:53: Ich find's aber an der Stelle wichtig zu sagen,

00:12:56: dass das nur für reiche Familien galt.

00:12:58: Also, diese Schul ...

00:13:00: Also, das ging halt vor allem um die Schulbildung,

00:13:02: also, dass die halt irgendwie gebildet sind

00:13:05: und dann ihren Platz in der Gesellschaft finden.

00:13:07: Und das war aber halt für ärmere Familien gar kein Thema,

00:13:10: weil die Kinder da mit auf den Feld gearbeitet haben.

00:13:13: Und das war ja auch nicht so ein Mädchen, kein Thema.

00:13:15: Genau.

00:13:16: Wo man auch wirklich sagen muss, um das einzuordnen

00:13:18: beim antiken Griechenland, das war ja ...

00:13:21: Das war nicht mal die erste Hochkultur,

00:13:24: aber das war eine von diesen riesen Hochkulturen.

00:13:27: Und viele dieser Hochkulturen haben eben nur über Gewalt,

00:13:31: Herrschaft und Ordnung überhaupt funktioniert.

00:13:33: Deshalb ist es eigentlich kein Wunder,

00:13:35: dass man die Erziehung so gesehen hat.

00:13:38: Ja, genau.

00:13:39: Und das Gleiche war dann auch im römischen Reich,

00:13:42: insbesondere Seneca 50 nach Christus,

00:13:44: der die Förderung und Disziplin bei Kindern empfahl.

00:13:47: Und da war jetzt auch so ein ganz tragender ...

00:13:50: Weiß nicht, so eine ganz tragende Stadt, einfach Sparta.

00:13:53: Oh, ja.

00:13:54: Wo die Kinder ab dem siebten Lebensjahr

00:13:57: militärisch ausgebildet wurden.

00:13:59: Also, die Jungen kamen dann quasi mit sieben Jahren

00:14:02: in staatliche Gewalt und wurden dort erzogen

00:14:05: zu strengen Soldaten, also zu Kampfmaschinen mehr oder weniger.

00:14:09: Zu Kampfmaschinen, ja.

00:14:11: Das gilt aber auch wieder nur ...

00:14:13: Also, Sparta war halt die herrschende Klasse.

00:14:15: Es gilt halt auch wieder nicht für arme Familien,

00:14:18: sondern auch für Reiche.

00:14:20: Wir haben jetzt schon mal ein bisschen darüber gesprochen,

00:14:23: dass bei den armen Familien, dass wir davon ausgehen,

00:14:26: dass es schon auch so war, dass die Kinder vielleicht auch mal

00:14:30: körperlich diszipliniert wurden.

00:14:32: Wenn sie jetzt irgendwie nicht mitgemacht haben,

00:14:35: aber in der Überlieferung wird immer gesagt,

00:14:37: die Kinder mussten arbeiten, um das Überleben der Familie zu sichern.

00:14:41: Ich bin mir sicher, dass damals einfach so eine Art von ...

00:14:44: Das ist jetzt nur meine Meinung.

00:14:46: Die Kinder wurden mitgenommen aufs Feld und man hat dort gearbeitet.

00:14:50: Die Kinder haben mitgemacht, so viel sie konnten,

00:14:52: haben aber auch gespielt, quasi so ähnlich wie bei den Wildbeutern.

00:14:55: Es hat die Frage, haben sie gehorcht oder kooperiert?

00:14:58: Das könnte das gleiche Ergebnis bringen.

00:15:01: Ich bin mir sicher, dass zumindest bis zu diesem Zeitpunkt

00:15:04: eigentlich noch eher Kooperation mit kulturellen Unterschieden

00:15:07: und mit familiären Unterschieden,

00:15:09: weil das ja auch so das Grundlegende war,

00:15:11: wie Menschen generell so innerhalb von Familien zu funktioniert haben.

00:15:15: Das hat sich geändert mit dem Christentum.

00:15:18: Tatsächlich.

00:15:20: Dann ist man davon ausgegangen, dass Kinder sünder sind, quasi per se,

00:15:24: also von Natur aus, sündhaft.

00:15:26: Und dass man ihnen durch Erziehung beibringen muss,

00:15:29: nicht mehr sündig zu sein.

00:15:32: Also, das Christentum hat quasi mehr oder weniger reingebracht,

00:15:36: dass Menschen im Grunde böse sind,

00:15:38: anstatt im Grunde gut.

00:15:40: Fand ich auch spannend.

00:15:42: Das ist wirklich spannend.

00:15:44: Und das zieht sich ja dann auch schon sehr weit in die Vergangenheit,

00:15:48: dieses Bild von Kindern.

00:15:50: Das Menschenbild auf jeden Fall, aber das Bild von Kindern per se.

00:15:54: Ja, spannend.

00:15:56: Und da wurden dann auch eigentlich alle körperlich gezüchtigt,

00:15:59: die halt so, die halt sich sündig verhalten haben, sozusagen.

00:16:02: Dann hat sich das tatsächlich auch wieder

00:16:04: mit dem Beginn der Industrialisierung auch geändert.

00:16:08: Und dann hat man das durch Rousseau, der hat dann wirklich die Kindheit

00:16:11: entdeckt.

00:16:13: Also, hat den Leuten gesagt, Kinder sind nicht sündig,

00:16:16: Kinder sind einfach nur Kinder.

00:16:18: Durch das Christentum ging man davon aus.

00:16:21: Man hat natürlich gemerkt, ich schätze, dass sie das so erklärt haben,

00:16:24: weil die Menschen hatten sich ja früher Sachen erklärt.

00:16:27: Ich würde jetzt mal vermuten, man hat gemerkt,

00:16:30: dass Kinder anders sind als Erwachsene.

00:16:32: Und im Christentum wurde es so erklärt, dass sie sündhaft sind.

00:16:35: Und das ist ganz göttliche.

00:16:37: Also, er hat gesagt, Kinder sind rein und göttlich.

00:16:41: Und hat sich wieder ins gute Licht gerückt,

00:16:43: was ja eigentlich voll positiv ist.

00:16:45: Also, Probs an Rousseau an der Stelle vielleicht.

00:16:47: Das war dann um 1750 oder so, glaube ich,

00:16:49: ich habe die Zahl nicht genau recherchiert.

00:16:51: Und tatsächlich hat das dann auch dazu geführt,

00:16:53: dass die weniger körperlich gezüchtigt wurden.

00:16:55: Das wurde dann auch noch mal,

00:16:58: diese Bewegung in Anfangszeichen wurde auch noch mal verstärkt durch,

00:17:02: Mitte 19. Jahrhundert bis Ende des 20. Jahrhunderts

00:17:05: also Maria Montessori,

00:17:07: die Kinder als eigenständiges Respekt vor das Wesen beschrieben hat,

00:17:11: Freud, der den Fokus auf das Innenleben,

00:17:14: das Kindes gerichtet hat und eben auch so mehr oder weniger

00:17:17: das innere Kind zum ersten Mal, glaube ich, thematisiert hat.

00:17:20: Und eben Bowlby, von dem wir es letztens auch schon hatten,

00:17:23: der die Bindungstheorie entdeckt hat und gesagt hat,

00:17:26: so die Bindung zwischen Eltern und Kindes

00:17:29: halt essentiell für die Entwicklung des Kindes.

00:17:31: Aber der halt auch gesagt hat, dass Kinder nach Bindung streben

00:17:34: und dass das mitunter das Wichtigste ist.

00:17:36: Genau. Und da kam dann auch der Behaviourismus auf.

00:17:40: Und das hat sich auch sehr stark in die Erziehung

00:17:43: mit eingepflastert quasi.

00:17:46: Nämlich, Behaviourismus geht davon aus,

00:17:50: dass man durch Lob und Strafe lernt,

00:17:53: dass Menschen durch Konditionierung lernen.

00:17:57: Also wenn sie was Gutes machen und man sie lobt,

00:17:59: dann lernen sie das und wenn sie was Schlechtes machen,

00:18:02: dann haben sie die Behaviouristen.

00:18:04: Weil man das irgendwie mit Experimenten an Tieren hat,

00:18:07: man beobachtet, dass Tiere so reagieren,

00:18:10: dass man Tiere quasi so konditionieren kann.

00:18:13: Genau, man kann Menschen auch so konditionieren.

00:18:15: Also es ist schon nicht falsch.

00:18:18: Und genau, das war so ein bisschen das.

00:18:21: Und gleichzeitig, obwohl halt dieses Lob und Strafe und so,

00:18:24: also Behaviourismus,

00:18:26: sind wirklich auch die körperlichen Züchtigungen zurückgegangen.

00:18:29: Ich glaube, es wurde in den Zeit lang echt einfach exzessiv,

00:18:32: wegen jedem Scheiß einfach den Bund und die Kinder verprügelt.

00:18:35: Und dann nur noch als gezielte Strafe.

00:18:38: Das ist schon mein Fortschritt auf jeden Fall.

00:18:41: Und gleichzeitig war aber in Deutschland die NS-Zeit.

00:18:46: Montessori, Freud und Bowlby,

00:18:48: die lebten alle so in einem selben Zeitraum,

00:18:51: in einem ähnlichen Zeitraum,

00:18:53: aber sie haben alle drei gleichzeitig gelebt,

00:18:55: aber die sind unterschiedlich alt.

00:18:57: Also nach und nach, aber im selben Zeitraum.

00:19:00: Und innerhalb dieses Zeitraums war ja auch in Deutschland

00:19:03: dann die NS-Zeit.

00:19:06: Also zu ähnlichen Zeiten, wie der Behaviourismus aufkam,

00:19:10: wurde in Deutschland diese ...

00:19:14: Also die Deutschen sind ja sehr ...

00:19:17: Ich mein, Hitler hat ja auch sehr viel ...

00:19:20: ist ja viel über Erziehung gegangen.

00:19:22: Also quasi mit frühkündlicher Propaganda mehr oder weniger.

00:19:25: Und hat seine NS-Ideologien sehr stark

00:19:28: auch in die Erziehung manifestiert,

00:19:31: um Kinder zu rassenbewussten Volksgenossen zu machen.

00:19:34: So hatte das genannt.

00:19:36: Da war auch eine sehr einprägsame Frau, Johanna Haarer,

00:19:39: die halt das Buch geschrieben hat, "Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind".

00:19:43: Und die wird halt auch oft ...

00:19:45: Also ich glaub, gerade ihre Erziehungsmethoden sind auch noch die,

00:19:49: die heutzutage sehr häufig irgendwie angewandt werden.

00:19:52: Eigentlich ist ihre Erziehungsmethode ein bisschen abgeschwächt,

00:19:55: die sich vorherrscht.

00:19:57: Ich hab mal ein Zitat mitgebracht von ihr.

00:19:59: "Auch das widerstrebende und schreiende Kind muss tun,

00:20:02: was die Mutter für nötig hält und wird,

00:20:04: falls es sich weiterhin ungezogen aufhört, gewissermaßen kaltgestellt.

00:20:09: In einen Raum verbracht, wo es allein sein kann

00:20:12: und solange nicht beachtet wird, bis es sein Verhalten ändert."

00:20:15: Also soziale Isolation. - Emotionaler Gewalt.

00:20:18: Das ist auch tatsächlich vorrangig in dem Buch.

00:20:21: Also laut meiner Quelle oder meiner Recherche

00:20:24: spricht sie sich innerhalb ihres Buches nicht

00:20:27: für körperliche Gewaltraus oder nicht explizit.

00:20:30: Sie sagt jetzt auch nicht, dass man's nicht machen soll.

00:20:34: Aber sie sagt nicht, dass man's machen soll,

00:20:36: sondern sie geht sehr auf psychische Gewalt.

00:20:38: Das fängt schon damit an, dass das Kind, also das Baby,

00:20:41: schreien gelassen wird.

00:20:43: Und dass man quasi als Mutter kalt sein soll.

00:20:45: Und sie sagt aber auch immer sehr,

00:20:47: dass man als Mutter seine Emotionen zurückhalten soll.

00:20:50: Also auch nicht zornig reagieren oder so.

00:20:52: Also auch solche Sachen.

00:20:54: Aber auch wenig Liebevolles um Armen oder so.

00:20:58: Gar nicht. Gar keine Nähe.

00:21:00: Aber auch wenn das Kind jetzt schreit,

00:21:02: soll man es zur Ordnung bringen, aber ohne zornig zu werden

00:21:05: und Emotionen zu zeigen.

00:21:07: Und eben solche Methoden wie soziale Isolation.

00:21:11: Aber auch Nahrungsentzug.

00:21:13: Also generell einfach psychologische Härte wurden da angewandt.

00:21:17: Quasi, um das Kind zum Gehorsam zu bringen.

00:21:20: Also mehr oder weniger wurde das Kind gebrochen, emotional.

00:21:24: Ich weiß nicht, wir haben uns darüber auch schon mal unterhalten.

00:21:28: Ich glaube, dass körperliche Gewalt

00:21:31: großen Schaden bei Kindern anrichtet.

00:21:33: Und trotzdem glaube ich, dass psychische Gewalt

00:21:37: eigentlich so größeren Schaden anrichten kann.

00:21:40: Also jetzt nicht in Form von, dass ihr mit euren Kindern ...

00:21:43: Man kann jetzt nicht schimpfen mit einer Urfallgifergleichen,

00:21:47: sondern jetzt in dem Sinne von, wenn man jetzt so eine Situation hat,

00:21:51: das widerstreben und schreiende Kind.

00:21:53: Wenn Johanna Haarer geraten hätte, eine Urfallge zu geben,

00:21:56: bin ich mir sicher, dass das weniger verheerend für das Kind gewesen wäre,

00:22:00: als dass es sozial isoliert wurde.

00:22:03: Ja, also das Ding ist halt bei physischer Gewalt.

00:22:06: Physischer Gewalt ist gleichzeitig auch emotionale Gewalt.

00:22:10: Weil wenn man jetzt ein Kind eine Ohrfeige gibt,

00:22:13: ist es ja nicht der Ohrfeigenschmerz an sich,

00:22:16: wenn das nachhaltig verletzend ist.

00:22:18: Dann wäre das Kind dann auch total schlimm verletzt,

00:22:21: wenn es irgendwo mal gegenlaufen würde oder so.

00:22:24: Das ist ja nicht der rein physische Schmerz,

00:22:26: aber allein dieses "Ich bin auf dieses Elternteil angewiesen

00:22:30: und liebe es und es schadet mir."

00:22:32: Ja. - Das ist, glaube ich,

00:22:34: so emotionaler Schmerz, der da immer mit bei ist.

00:22:37: Ich glaube, seelische Verletzungen

00:22:39: halten eher noch ein Leben lang nach.

00:22:41: Also ich glaube, wenn diese soziale Isolation und diese Demütigung,

00:22:46: führt echt dazu, dass Menschen psychisch gebrochen werden.

00:22:49: Und genau das war ja auch das Ziel von der NS-Erziehung.

00:22:53: Wollte ja absolutes Gehorsam erziehen.

00:22:55: Genau, also wenn man rein auf dem Behaviourismus zurückgeht,

00:22:59: quasi das Kind nimmt ein Keks, das kriegt eine Ohrfeige,

00:23:02: dann wird es wahrscheinlich nicht mehr ein Keks nehmen.

00:23:05: Aber wenn ich das Kind sozial isoliere zusätzlich noch,

00:23:09: dann wird es nicht nur nicht ein Keks nehmen,

00:23:11: sondern es wird auch Verlassensängste bekommen und so weiter.

00:23:14: Weißt du was ich meine? - Ja.

00:23:15: Ich wollte keinen von beiden gut heißen,

00:23:17: nur dass das eine Form von psychischer Gewalt ist,

00:23:21: die schon extrem gewaltvoll ist, auch wenn es nicht körperlich ist.

00:23:24: Darauf wollte ich hinaus. - Ja.

00:23:26: Natürlich, also da wurde halt extremer Gehorsam quasi, war das Ziel.

00:23:30: Und das hat auch dann in Deutschland so ein bisschen dazu geführt,

00:23:34: also die Reflektion der NS-Zeit,

00:23:36: dass man sich von dem Idealbild des extremen Gehorsams

00:23:39: ein bisschen distanziert hat, weil man gemerkt hat,

00:23:42: dass das vielleicht nicht ganz so gut ist.

00:23:44: Ich merke, dass es gesellschaftlich noch sehr tief verankert.

00:23:47: Ich weiß nicht, ob das bei dir so war,

00:23:49: aber soziale Isolation war bei mir auch an der Tagesordnung,

00:23:53: wenn man nur dieses aufs Zimmer schicken nimmt,

00:23:56: was ja auch schon eine Form von sozialer Isolation ist.

00:23:59: Und meine Eltern haben mich eigentlich sehr liebevoll erzogen.

00:24:02: Und ich glaube, soziale Isolation ist auch heute

00:24:05: noch ein sehr gängiges Erziehungsmittel.

00:24:07: Deshalb wollte ich das noch mal kurz darauf eingehen

00:24:10: mit dieser psychischen Gewalt, weil ich das halt sehr spannend

00:24:13: und so sehr für psychische Gewalt plädiert hat,

00:24:15: weil ich fand, dass sich das gar nicht so sehr

00:24:17: von heutigen Erziehungsmethoden unterscheidet.

00:24:21: Weil die Menschen eben immer noch körperliche Gewalt ablehnen

00:24:25: und gleichzeitig aber Gewalt per se, also psychische Gewalt,

00:24:29: vielleicht auch nicht so sehr als Gewalt ansehen.

00:24:31: Und ich glaube, um jetzt da wieder den Bogen zu spannen,

00:24:34: dass auch eben diese NS-Zeit und Johanna Harra

00:24:37: gemeinsam mit der christlichen Erziehung mehr oder weniger dazu geführt haben,

00:24:42: dass sich halt dieses Bild von Kindern müssen gehorsam

00:24:45: oder müssen Gehorchen sehr stark manifestiert hat.

00:24:48: Auch in Kombination mit das unser Schulsystem

00:24:51: halt zum Beispiel noch aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts,

00:24:55: glaube ich, stammt aus der ...

00:24:57: Ich finde es halt einfach mega krass zu hören,

00:24:59: dass so dieses Gehorsam einfordern von Kindern

00:25:04: und das bestrafen und züchtigen und Gewalt

00:25:07: um Kinder zum Gehorsam zu bringen,

00:25:10: dass das einfach etwas, was schon in der Antike begonnen hat

00:25:13: und über so einen langen Zeitraum etabliert war.

00:25:18: Und dann finde ich, es ist gar kein Wunder,

00:25:20: wenn wir nicht einfach mal in einem Zeitraum von ...

00:25:23: nicht mal 100 Jahren das einfach so abstreifen können.

00:25:27: Ich hab halt das Gefühl, es tauchte ja auch immer so ein bisschen

00:25:30: im Kontext mit Bildung und Schule und so was auf.

00:25:32: Das ist auch so wie so eine Art von,

00:25:35: wenn Menschen nach höherem Strebten ...

00:25:38: Also, dass das so ein bisschen der Gedanke war,

00:25:40: ich will jetzt was besseres für meine Kinder,

00:25:42: deshalb müssen sie quasi Gehorsam sein.

00:25:44: Oder um einfach Hochkulturen aufrechterhalten zu können.

00:25:48: Oder Division einer Hochkultur eines Imperiums zu verwirklichen.

00:25:53: Vorher war ein Imperium ja auch generell auf Hierarchien beruht.

00:25:56: Genau. - Und dass er dann einfach nur eine Übertage

00:25:59: von Hierarchien in die Familien rein ist.

00:26:01: Genau. Und es ist halt ganz spannend, weil einfach ganz viel darauf hindeutet,

00:26:05: dass Menschen an sich soziale Wesen sind.

00:26:07: Und wenn Menschen soziale Wesen sind,

00:26:10: dann würde das auch bedeuten, dass Menschen an sich kooperieren.

00:26:13: Und es spricht einfach sehr viel dafür.

00:26:15: Also, da gibt's halt wirklich sehr viele Theorien,

00:26:18: die dafür sprechen.

00:26:19: Zum Beispiel glaubt man, dass die Augäpfel von Menschen weiß sind,

00:26:22: damit wir gegenseitig unsere Blicke nachverfolgen können.

00:26:25: Was ja auch eine Form von Kooperation möglich macht.

00:26:28: Ich kann einfach irgendwo hingucken,

00:26:30: wenn man irgendwo hindeuten.

00:26:32: Aber du kannst zum Beispiel auch sehen,

00:26:34: dass man richtig versucht auszutricksen oder so.

00:26:36: Ja. - Das könntest du ...

00:26:38: Das macht Menschen ja durchschaubar.

00:26:39: Und Menschen werden auch durchschaubarer dadurch,

00:26:42: dass sie, zum Beispiel, vor Scham erröten,

00:26:44: dass Menschen eigentlich Mikroexpressionen haben,

00:26:47: die unbewusst ausgelöst werden.

00:26:50: Und dadurch kann man zum Beispiel Menschheit ansehen, ob er wütend ist.

00:26:54: Und auch ... - Egal, ob er's möchte oder nicht.

00:26:57: Also, die meisten Menschen kann man dadurch ja auch entlarven,

00:27:00: quasi, wenn sie lügen. - Ja.

00:27:02: Man sieht die meisten Menschen ihm an, das kann man auch trainieren.

00:27:06: Oder du hast so ein Gefühl,

00:27:07: dass man merkt, irgendwas stimmt hier nicht,

00:27:10: aber ich kann's nicht zuordnen.

00:27:11: Genau, wenn man Menschen kennt,

00:27:13: manchmal denkt, irgendwie, hab ich ein komisches Gefühl.

00:27:16: Das ist auch oft berechtigt,

00:27:17: weil das Unterbewusstsein da vieles auch lesen kann.

00:27:20: Wir haben zum Beispiel auch Spiegelneuronen im Gehirn,

00:27:23: dessen Aufgabe es ist, Emotionen von anderen zu spiegeln.

00:27:26: Also, die sind auch eine Voraussetzung dafür,

00:27:29: dass wir Mitgefühlen wickeln können.

00:27:32: Aber wir stecken uns dadurch auch gegenseitig mit Emotionen an.

00:27:36: Spiegelneuronen sehen quasi, wenn du wütend bist und deuten das,

00:27:39: und dann werd ich auch wütend.

00:27:41: Ja, aber auch, was ja auch rein evolutionär gesehen mega sinnvoll war,

00:27:44: du siehst 'nen Löwen, bist gestresst,

00:27:46: und hast mir noch gar nicht die Information gegeben,

00:27:49: fragst mich nur gestresst an und wir sind so,

00:27:51: okay, lass uns losrennen, so weiß ich's nicht.

00:27:54: Ja, genau. - Deshalb ist es auch so wichtig,

00:27:56: das Emotionen anstecken.

00:27:57: Das ist die Anstecken-Lest von Stress und Zoll.

00:28:00: Genau, dann musst du ein bisschen aufpassen.

00:28:02: Aber trotzdem sind die Spiegelneuronen ja für soziale Kooperation

00:28:06: quasi gemacht, so gesehen.

00:28:08: Und wir sind auch total auf soziale Interaktion angewiesen,

00:28:12: weil durch soziale Interaktion wird Oxytocin ausgeschüttet.

00:28:17: Und Oxytocin ist so einer der Brotenstoffe,

00:28:20: nächsten Hormon, ist so einer der Hormone,

00:28:23: die sehr wichtig dafür sind, dass es uns gut geht.

00:28:26: Man bezeichnet's auch als Kuschelhormone und Unortizien.

00:28:29: Wohlfühlhormon. - Wohlfühlhormon, das kann auch.

00:28:32: Weißt du, warum es Frauen so schlecht geht um PMS und Periode?

00:28:35: Warum? - Weil Oxytocin sinkt.

00:28:37: Ja, wenn man zu wenig Oxytocin hat,

00:28:40: ist man psychisch auf jeden Fall nicht gesund.

00:28:42: Dann geht's einem schlecht. - Na ja, nicht ...

00:28:44: Also, ist in 'nem Rahmen natürlich,

00:28:46: das heißt nicht, dass man psychisch krank sein muss,

00:28:49: aber es ist halt nicht ... - Wenn man ist mal psychisch krank.

00:28:52: Voll. - Es sind einfach schon so viele Begebenheiten,

00:28:55: die sich so ein lustigen Funfact ...

00:28:57: Es gibt auch 'ne Theorie, nach der sich Sprache,

00:29:00: also so komplexe Sprache, wie wir sie benutzen haben,

00:29:03: erst dadurch entwickelt hat,

00:29:04: dass man über Gruppenmitglieder getraut hat. - Ja.

00:29:07: Um so die soziale Gefüge zu überblicken und aufrechtzuerhalten.

00:29:11: Wo hast du das gelesen, auch bei einer kurzen Geschichte?

00:29:14: Eine kurze Geschichte der Menschheit von Noah, Juval, Harari.

00:29:17: Ja, aber ich hab das auch gelesen,

00:29:19: aber ich hab das in Frage gestellt, weil ich find, trazchen ...

00:29:23: Ja, ich find auch das mit dem Oxytocin sehr spannend,

00:29:26: weil das ja auch ...

00:29:28: Gerade wenn jetzt 'ne Mutter mit ihrem Kind kuschelt,

00:29:31: oder so wird ganz viel Oxytocin auf beiden Seiten ausgeschüttet,

00:29:34: was ja auch der Bindung noch mal stärkt.

00:29:37: Man hat ja auch beobachtet, dass Kinder ohne körperliche Nähe sterben.

00:29:41: Ich weiß nicht genau, was die Mechanismen sind,

00:29:43: aber ich kann mir vorstellen, dass Oxytocin einfach fehlt.

00:29:46: Dann vielleicht ... - Ja, also, das war, glaub ich,

00:29:49: so ein Mal wurde so 'ne Studie gemacht, oder?

00:29:52: Ja, die haben Kinder gestorben. - Genau, da wurden die Kinder

00:29:55: physiologisch versorgt.

00:29:56: Also, das war ... Eigentlich wollte ...

00:29:58: Ich weiß nicht, das ist schon richtig lange her,

00:30:01: aber das war, glaub ich, so 'n Kaiser, der wollte herausfinden,

00:30:05: welche Sprachekinder entwickeln, wenn niemand mit ihnen spricht

00:30:08: und niemand mit ihnen interagiert quasi.

00:30:10: Und die wurden einfach ...

00:30:12: Die waren zusammen, also, die waren nicht alleine,

00:30:15: das waren Kinder zusammen, aber denen wurde nur ihre körperliche

00:30:19: Bedürfnisse befriedigt, aber nicht interagiert.

00:30:22: Das war ein ganz anderer.

00:30:23: Das finde ich schon krass, weil die hatten sich trotzdem gegenseitig.

00:30:27: Die war ja nicht ganz alleine.

00:30:29: Aber das zeigt ja schon noch, dass soziale Isolation ...

00:30:32: Das meinte ich auch vorher, auch in 'ner schlimmen Form der Gewalt ist.

00:30:36: Ja, bis zu Folter, vielleicht so.

00:30:38: Das war ja auch ... Das fand ich auch spannend bei Ruth Gabrik.

00:30:42: Bei ihm, gründlich gut, hat er auch geschrieben,

00:30:45: dass Menschen, die sich so pralarisch verhalten haben,

00:30:47: dass die auch ... Nee, stimmt gar nicht.

00:30:50: Wenn jemanden verletzt haben oder umgebracht oder so was,

00:30:53: dass die Gruppe, die nicht auch umgebracht hat oder in vielen Kulturen,

00:30:57: sondern die die Person als Tod behandelt haben,

00:30:59: die haben gar nicht mehr mit dieser Person interagiert,

00:31:02: bis die Person dann von alleine gestorben ist.

00:31:05: Übel. - Ja.

00:31:06: Ist ja noch schlimmer. - Ja.

00:31:08: Okay, krass. - Sag ich doch.

00:31:10: Aber das finde ich sind schon so Punkte,

00:31:12: die sehr deutlich darauf hinweisen,

00:31:14: dass Menschen soziale Wesen sind und kooperieren an sich.

00:31:18: Und jetzt machen wir auf Kinder,

00:31:20: weil die Menschen haben angefangen, aufrecht zu gehen.

00:31:23: Und damit Menschen aufrecht gehen konnten,

00:31:25: wurden die Becken enger.

00:31:27: Und dadurch, dass die Becken enger wurden,

00:31:29: konnte man halt nicht mehr ein zehn-Kilo-Kind gebären,

00:31:33: sondern da mussten die Babys ...

00:31:35: Unfertiger auf die Welt kommen.

00:31:37: Deshalb sind neu geborene physiologische Frühgeburten, sagt man.

00:31:41: Weil bei anderen Tieren andere Tierbabys,

00:31:44: die kommen raus aus der Mutter und laufen los und fressen.

00:31:47: Das können Menschen Babys halt nicht ...

00:31:50: Die fressen nicht, die trinken nicht.

00:31:52: Aber das liegt nicht nur daran, dass Menschen aufrecht gehen,

00:31:55: sondern auch daran, dass sie intelligent haben,

00:31:58: dass die Gehirne größer wurde und der Schädel auch größer.

00:32:01: Das heißt, das hat beides dazu geführt,

00:32:04: dass halt Babys, ich glaub,

00:32:06: die kommen ungefähr zehn Monate zu früh auf die Welt.

00:32:09: Da hat ...

00:32:10: Maike Stoverok hatte diese physiologischen Frühgeburten

00:32:14: als eine Art Schreiraube bezeichnet.

00:32:16: Das ist ja irgendwie zutreffend.

00:32:18: Dadurch ist es ja auch logisch, dass in Babys von Geburt an,

00:32:22: quasi oder in Menschen generativ verankert ist,

00:32:25: dass sie nicht zurückgelassen werden dürfen von der Gruppe,

00:32:28: weil sie dann sterben.

00:32:30: Ja, genau.

00:32:31: Neue geborene Ehe, aber kleine Kinder eben auch noch.

00:32:34: Und bis zu einem gewissen Entwicklungsstand

00:32:37: sind Kinder eben massiv abhängig von Erwachsenen.

00:32:40: Das ist ja nichts Neues auch in der heutigen Welt,

00:32:42: sind Kinder massiv abhängig von Erwachsenen.

00:32:45: Ich glaub, dass viel nicht bewusst ist, wie tief das auch ...

00:32:49: Dieses evolutionäre Angst vor dem Verlassen werden steckt,

00:32:52: weil wenn jetzt zum Beispiel auch ein Kind nachts alleine schlafen soll

00:32:56: oder so was, ist halt klar, dass die meisten Kinder da noch Angst haben.

00:33:00: Weil ...

00:33:02: Evolutionär steckt ihnen drin, dass sie nachts auf keinen Fall

00:33:05: alleine sein dürfen, weil es halt mit Tod gleichzusetzen ist.

00:33:08: Und es gilt halt auch für soziale Isolation.

00:33:11: Also, wenn man sie einsperrt, natürlich ...

00:33:14: Also ist es rational, so dass sie irgendwie lernen können,

00:33:17: ja, Mama und Papa sind oben gleich,

00:33:19: da hätte ich gehen, da aber einfach tief

00:33:21: evolutionär verankerte Mechanismen los von verlassen werden.

00:33:24: Und das macht es halt auch so gewaltvoll einfach,

00:33:27: weil es halt eben mit zum Sterben zurücklassen gleichgesetzt wird.

00:33:31: Und weil das so ist, streben Kinder halt an,

00:33:33: ihren Eltern zu gefallen, damit sie eben nicht zurückgelassen werden.

00:33:37: Ja, und außerdem hat man auch in Studien beobachtet,

00:33:40: dass Kinder auch schon früh kooperieren,

00:33:43: man hat festgestellt, dass Kinder schon sehr früh

00:33:45: auch ein Bewusstsein für Recht und Unrecht bekommen,

00:33:48: was ja auch was Soziales ist.

00:33:50: Ja, ob sich jemand gut oder schlecht verhält.

00:33:53: Dafür haben wir gegen Kinder schon früh ein Gespür,

00:33:56: was ja auch dafür spricht, dass Kinder soziale Wesen sind

00:33:59: und kooperieren wollen.

00:34:00: Und zu dem Kooperation spricht auch noch eine andere Studie.

00:34:04: Da wurden das Kind saß mit einer fremden Person zusammen im Raum

00:34:08: und die fremde Person hat einmal halt die Puppe liebevoll behandelt,

00:34:12: Die Puppe hat die Person die Puppe beschimpft.

00:34:16: Sie hat bösartig behandelt und hat das Kind das halt genauso gemacht.

00:34:18: Also daran sieht man auch, diese Nachahmung ist ja auch eine Form von Kooperation.

00:34:22: Ja, stimmt.

00:34:23: Das habe ich mir nämlich auch aufgeschrieben.

00:34:24: Dass Kinder auch, Kinder lernen ja viel durch Mitmachen, durch Nachahmen und so.

00:34:30: Und auch dieses Mitmachen und Nachahmen ist ja an sich auch schon eine Form von Kooperation.

00:34:35: Genau.

00:34:36: Und deshalb also in Kombination mit dem, dass Kinder halt viel durch Nachahmung lernen

00:34:41: und gleichzeitig auch darauf angewiesen sind von Erwachsenen quasi gepflegt und gefüttert

00:34:46: und was auch immer nicht zurückgelassen zu werden, kann man eigentlich ziemlich sicher

00:34:49: davon ausgehen, dass sie kooperieren wollen und dass sie auch eben, also deshalb funktioniert

00:34:55: gehorsam bei Kindern auch so gut bis zu einem gewissen Alter oder emotionale Erpressung

00:35:00: und so, weil sie eben alles tun würden, auch über ihre eigenen Grenzen tun würden, um

00:35:05: nicht zurückgelassen zu werden von ihren Eltern.

00:35:07: Ja, also Kinder wollen kooperieren, aber wir haben ja schon gesagt, dass es ja auch ein

00:35:12: bisschen lachhaft ist, wenn du dann von einem Kind stehst und es nicht kooperiert ist.

00:35:16: Das ist die Frage, wie passt das zusammen?

00:35:19: Wenn Kinder kooperieren wollen, warum kooperieren sie dann so oft nicht?

00:35:22: Darf ich dazu eine These noch aufmachen, die zusätzlich ist?

00:35:26: Ja, komm.

00:35:27: Weil ich glaube, dass das tatsächlich auch eine neue Entdeckung ist oder nein, nicht eine

00:35:32: neue Entdeckung, dass es eine neue Erscheinung ist, dass Kinder nicht kooperieren, weil ich

00:35:36: glaube halt, dass während der Zeit der Wildbeuter es gab eigentlich so gut wie nie die Notwendigkeit,

00:35:43: dass sie quasi nicht kooperieren, weil eigentlich alles so mehr oder weniger den natürlichen

00:35:48: Gang der Dinge genommen hat, die eine sehr große Autonomie hatten und wenn sie halt kooperieren

00:35:54: mussten, dann war es auch in ihrem eigenen Interesse und jetzt gibt es ja so viele.

00:35:58: Und auch mal für einen kurzen Zeitraum, also wenn es halt mal gefährlich wurde oder so

00:36:01: oder wenn es mal für eine gewisse Zeit nötig war, weil die mussten nicht den ganzen Tag

00:36:05: kooperieren.

00:36:06: Und jetzt gibt es halt so viele Normen und Grenzen.

00:36:09: Ich finde es auch voll logisch, dass dann dieser Gedanke mit dem Gehorsam quasi gleichzeitig

00:36:13: mit der Sesshaftigkeit aufkam, wo halt die Menschen nicht nur an einem Ort begrenzt

00:36:18: waren, sondern ja auch in Hab und Gut quasi begrenzt und auch in, dass dann so was wie

00:36:23: Eigentum aufkam und auf einmal darfst du das vom Nachbar nicht anfassen und dann irgendwelche

00:36:27: Regeln in der Schule finde ich auch total naheliegend, dass dann auf einmal im Antiken Griechenland

00:36:31: als dann die Schule aufkam, dass da dann auf einmal eben dieses Bild von Gehorsam und so

00:36:35: so groß gemacht wurde.

00:36:36: Finde ich richtig super, dass du das sagst, weil das werde ich gleich noch neurologisch

00:36:39: begründen, warum das so ist.

00:36:41: Okay, Tommy.

00:36:42: Ich habe dir erstmal ein Alltagsbeispiel mitgebracht.

00:36:44: Stell dir vor, du musst mit dein Kind in die Kita morgens und ihr seid gerade beim Anziehen,

00:36:50: das Kind soll Jacke anziehen und egal ob man jetzt von dem Kind fordert, dass es jetzt

00:36:56: selbstständig Jacke anzieht oder dem Kind Jacke anzieht, in beiden Fällen ist der Kooperation

00:37:00: so notwendig, weil die arme Richtigheiten und so, das ist halt auch schon Kooperation.

00:37:04: Ja und auch generell die Bereitschaft zu haben, Jacke anzuziehen, also es könnte auch

00:37:08: einfach wegrennen, so wie ein Sonnerer, das ihr jeden Morgen macht.

00:37:11: Stimmt.

00:37:12: So könnt ihr euch unseren Morgen vorstellen.

00:37:20: Warte mal, ich möchte nur kurz dazu sagen, dass wir echt morgens dann auch manchmal

00:37:24: so ganz vorsichtig und langsam uns bewegen müssen, wenn es uns anziehen geht, weil wenn

00:37:28: es auch nur zu ein Prozent des Kindes irgendwie in so einer witzigen Art triggert, dann fängt

00:37:35: es an so, Uuuuh, ein Spiel.

00:37:37: Da wird es fanglespielend.

00:37:38: Ja, ja, ja, das ist ein sehr verspieltes Kind, das ist auch sehr süß.

00:37:42: Also jetzt in dem Beispiel, stell dir vor, das Kind will Jacke nicht anziehen und wird

00:37:47: wütend.

00:37:48: Warte, weil ich habe kurz eine Frage, sorry, ich unterbrechte es schon wieder.

00:37:51: Kann mein Beispiel überhaupt nicht machen.

00:37:52: Nein, aber das ist ein so schönes Beispiel, weil ich muss jetzt gerade auch, habe mich

00:37:56: jetzt gerade gefragt, ob wenn man das jetzt auf Jesper Jul runterbricht, ob dann dieses,

00:38:00: man macht die falsche Körperhaltung und die ist dann so ein bisschen witzig und das Kind

00:38:03: ist dann so destruktiv quasi kooperiert destruktiv und.

00:38:07: Ja, verdeckte Kooperation, ja kann auch sein auf jeden Fall, das stimmt.

00:38:11: Okay, gar nicht so für dein Beispiel weiter aus.

00:38:13: Also ich möchte mein Beispiel nochmal machen, ja, man muss irgendwie das Kind in die Kita

00:38:16: bringen, das soll sich jetzt anziehen, aber kooperiert nicht und es funktioniert einfach nicht.

00:38:22: Auf jeden Fall verweigert das Kind das anziehen.

00:38:24: Und was glaubst du, könnte die Ursache davon sein?

00:38:28: Also es könnte ja einfach eine destruktive Kooperation sein.

00:38:31: Also das ist quasi so ist, wie wir gerade schon gesagt haben, also dass das Kind halt irgendwie

00:38:35: irgendeine Erwartungshaltung in unserer Körpersprache liest, die eigentlich nicht offen kommuniziert

00:38:40: wurde oder die uns vielleicht auch gar nicht so bewusst ist.

00:38:43: Oder vielleicht auch einfach, dass das Kind noch keinen Bock hat, also dass es irgendwie

00:38:48: noch eigentlich mit dem Bauchletzten ein Haus zu Ende bauen möchte und das jetzt da rausgerissen

00:38:53: wurde und das einfach gerade richtig scheiße findet.

00:38:55: Das wären jetzt so meine Ideen.

00:38:56: Ja, fällt dir noch zum Beispiel.

00:38:58: Ah, ich habe noch ein Beispiel, das es einfach sich überhaupt nicht vorstellen kann, jetzt

00:39:03: die Situation zu verlassen, also diesen Übergang zu schaffen.

00:39:06: Also ich habe was im Kopf, was bei unseren Kindern auf jeden Fall auch häufig auftritt

00:39:11: beim Anziehen.

00:39:12: Es könnte zum Beispiel, also alles was du gesagt hast, das merken wir uns, ja, das ist

00:39:17: alles richtig.

00:39:18: Aber was zum Beispiel sein könnte, ist, dass sich die Jacke nicht richtig anfühlt oder

00:39:22: dass sie sich für das Kind anders anfühlt als erwartet.

00:39:25: Zum Beispiel das kämen wir auch mit Socken und so, wenn die Kinder ausrasten, weil sie

00:39:28: Socken anziehen sollen und dann sagen, na, richtig und man einfach gar nichts tun kann.

00:39:34: Und was dann im Gehirn passiert, wenn es sich anders anfühlt als sich das Kind das vorstellt,

00:39:40: ist, dass das Gehirn einen Alarm ausgibt und dadurch wird dann die Amygdalarm getriggert.

00:39:46: Aber warum gibt das Gehirn einen Alarm aus?

00:39:49: Also das Gehirn gibt bei allem einen Alarm aus, was sich unvorheil gesehen entwickelt.

00:39:55: Also wenn du zum Beispiel eine Treppe steigst in so einem Altbau und eine Treppenstufe höher

00:39:59: oder niedriger ist, dann gibt es einen Alarm aus.

00:40:02: Oder auch wenn du das Wort "Grün" in Rot gedruckt liest oder so, dann gibt es auch einen Alarm

00:40:07: aus.

00:40:08: Das merken wir vielleicht nicht immer vollkommen.

00:40:09: Aber bei dem Kind wird dann in dem Moment, wenn sich die Kleidung anders anfühlt als

00:40:13: sie es erwarten, wird dann halt einen Alarm ausgelöst und die Amygdala wird getriggert.

00:40:17: Das heißt ja aber auch, dass wenn jetzt zum Beispiel das Kind gerade einen Turm baut und

00:40:21: wir dann sagen, wir gehen jetzt los in die Kita und es trifft das Kind unvorbereitet,

00:40:24: dann löst es ja auch einen Alarm aus.

00:40:26: Auf jeden Fall.

00:40:27: Da wird auch ein Alarm ausgelöst.

00:40:28: Und die Amygdala wird auch oft als Angstzentrum des Gehirns bezeichnet.

00:40:32: Das ist vielleicht nicht so ganz korrekt, aber die Amygdala bringt den Körper auf jeden

00:40:36: Fall in einen Erregungszustand.

00:40:38: Ich habe auch gelesen, dass sie einfach besonders sensibel auf Angst und Stress reagiert.

00:40:42: Stimmt das?

00:40:43: Nein, die nimmt quasi diesen Alarmsignal auf und wird getriggert und erkennt dann quasi

00:40:50: Bedrohungen und leitet dann Stress ein.

00:40:52: Also so habe ich das jetzt zumindest verstanden.

00:40:55: Genau, dadurch, dass der Amygdala getriggert wird, wird der Körper in den Kampf- oder

00:40:59: Fluchtmodus gebra- Was denn?

00:41:02: Ich habe es mir anders vorgestellt.

00:41:04: Mein Gehirn hat ein Alarmsignal ausgegeben.

00:41:08: Ja ist so, genau.

00:41:09: Und das ist halt gerade bei mir passiert.

00:41:11: Stimmt.

00:41:12: Weißt du was richtig gut hilft, um in den Ruhemodus zu kommen?

00:41:15: Lachen.

00:41:16: Die Amygdala, wenn die getriggert wird, dann bringt die den Körper in den Kampf- oder

00:41:22: Fluchtmodus, der uns dann vorbereitet auf eine Gefahrensituation.

00:41:27: Und das Ding ist, wenn das passiert, dann wird der Teil der für rationales Denken,

00:41:35: Sprachverarbeitung, Impulskontrolle und soziales Verhalten zuständig ist.

00:41:39: Und auch von unserer Bewusstsein an sich, das ist der präfrontale Cortex.

00:41:43: Der wird dann stark gehemmt, wenn dieser Kampf- und Fluchtmodus aktiv ist.

00:41:47: Jetzt habe ich eine Frage gestellt, oder?

00:41:50: Aber ich verstehe halt nicht das Beispiel, weil, also dann geht es nicht ums Jacke anziehen,

00:41:54: sondern ums Losgehen, oder?

00:41:56: Weil dann, weil wenn die Jacke schon angezogen ist, dann ist ja das schon mal erfolgt.

00:42:03: Aber die Jacke fühlt sich ja anders an.

00:42:05: Ach so.

00:42:06: Und auch was, was ich noch vergessen habe, auch der präfrontale Cortex auch für die

00:42:10: Emotionsregulation zuständig.

00:42:12: Also, dass wir Emotionen verarbeiten können.

00:42:14: Wenn das Kind dann wütend wird und immer wütender, dann braucht es auch den präfrontalen Cortex,

00:42:20: um wieder in Ruhe zu kommen.

00:42:23: Also eigenständig, um sich selbst zu regulieren ist.

00:42:25: Der hat auch notwendig.

00:42:26: Also der präfrontale Cortex wird stark gehemmt.

00:42:29: Und weil eigentlich alles, was der präfrontale Cortex macht, absolut notwendig ist, um kooperieren

00:42:35: zu können, könnte man auch der Einfachheit heilbar sagen, dass der präfrontale Cortex

00:42:40: für die Kooperation zuständig ist.

00:42:43: Und dem Teil des Gehirns wird dann, wenn Kinder unter Stress stehen, quasi der Saft abgedreht.

00:42:49: Ja, dazu kommt ja auch das Kinder generell halt, dass das emotionale Zentrum ja auch

00:42:54: viel größer ist im Vergleich zum präfrontalen Cortex.

00:42:58: Oder also, weil das ja noch nicht zu Ende entwickelt ist einfach.

00:43:00: Da wollte ich auf jeden Fall auch noch drauf kommen, aber es ist eben so, dass die ermögterler

00:43:05: viel stärker tief ist.

00:43:06: Und gerade der präfrontale Cortex, der ist noch sehr wenig entwickelt bei Kindern.

00:43:11: Also man sagt, der ist dann mit Hirnreife, dann mit Mitte 20, so mit 25 oder so, ist

00:43:18: der überhaupt erst richtig ausgereift.

00:43:20: Und gerade bei kleinen Kindern ist er noch sehr unterentwickelt.

00:43:24: Schon allein deshalb können Kinder wegen des Aufbaus ihres Gehirns schon weniger kooperieren

00:43:30: als Erwachsene.

00:43:31: Und deshalb kann man auch weniger Kooperation von Kindern erwarten an sich.

00:43:35: Es gibt ja auch Voll Sinn, dass zum Beispiel, selbst wenn sie kooperieren wollen, also wenn

00:43:41: man jetzt zum Beispiel zu einem Kind sagt, zieht da Jacke an und dann geht es zur Jacke

00:43:45: hin und neben der Jacke liegt aber irgendwas, weiß ich nicht, ein Flummy oder so, dass

00:43:50: dann den Impuls auch gar nicht unterdrücken kann, dann diesen Flummy zu greifen und dann

00:43:54: eben doch nicht zu kooperieren, weil eben die Impulskontrolle ja auch im präfrontalen

00:43:57: Cortex sitzt.

00:43:58: Ja, es ergibt Voll Sinn.

00:44:00: Ja, und was passiert eigentlich den Allermeisten, wenn sie dann irgendwie das Kind fertig machen

00:44:04: müssen, weil sie Zürichita müssen und dann zur Arbeit müssen?

00:44:07: Die sind auch gestresst.

00:44:08: Die sind gestresst.

00:44:09: Und was passiert, wir haben ja schon die Spiegelneuronen auch erwähnt vorher und es ist so, dass

00:44:16: die Kinder diesen Stress aufnehmen und wenn die eh schon vielleicht so ein bisschen auf

00:44:20: der Kippe stehen und dann diesen Stress aufnehmen, passiert nämlich genau das, was ich eben

00:44:23: beschrieben habe, die kommen in den Kampf- und Fluchtmodus und können nicht mehr kooperieren

00:44:27: und dann geht einfach gar nichts weiter.

00:44:29: Also wenn man gestresst ist, dann schaukelt sich das einfach hoch und es wird immer schlimmer

00:44:33: und man kommt erst dann weiter, wenn man schafft das Kind zu beruhigen.

00:44:37: Wie man die Gefühle von Kindern in solchen Situationen am besten begleitet, das könnt

00:44:42: ihr in unserer Podcast-Folge "Wie funktioniert oder wie geht?"

00:44:45: Gefühle begleiten anhören.

00:44:46: Exakt.

00:44:47: Das ist die vorletzte Folge.

00:44:48: Da haben wir das nämlich wirklich ausführlich erklärt.

00:44:51: Man muss auf jeden Fall schaffen, das Kind wieder von dem Kampf- und Fluchtmodus in Ruhe-Modus

00:44:57: zu bringen.

00:44:58: Und wie kann das nämlich wieder kooperieren?

00:45:00: Und wieder mitmachen.

00:45:01: Genau.

00:45:02: Und vorher kann das auch zum Beispiel die Sprache nicht richtig verarbeiten und so, weil das

00:45:05: passiert alles in der Gehirnregion, die eben dann nicht funktioniert und der Stress.

00:45:09: Da wären wir dann auch wieder bei dem, was Jesper Juhl meinte, dass Kooperation auf freiwilliger

00:45:14: Basis ist.

00:45:15: Das heißt, wenn euer Kind dann in so einem Wutanfall dann doch dazu gebracht wird zu

00:45:19: kooperieren, hängt es dann auch immer in Anführungszeichen mit Gewalt zusammen.

00:45:24: Also wobei man jetzt auch sagen muss, dass man zum Beispiel auch ein Kind hochnehmen und liebevoll

00:45:28: ins Auto tagen kann und dass es jetzt gewaltvoll sein muss, während das Kind halt auch selber

00:45:32: ein Wutanfall hat.

00:45:33: Aber wie gesagt, hört da unbedingt auch noch mal in unsere Gefühle begleiten, Folge rein.

00:45:37: Und falls ihr es noch nicht gemacht habt, folgt jetzt unbedingt unseren Podcast, gebt

00:45:41: ihm fünf Sterne und leitet ihn an drei eurer besten Freunde weiter, die diese Folge unbedingt

00:45:46: hören müssen.

00:45:47: Die drei Freunde Weiterleit Challenge.

00:45:50: Und kommentiert gerne, falls ihr noch Fragen oder Anmerkungen habt.

00:45:53: Oder Themenwünsche.

00:45:54: Genau.

00:45:55: Und ich habe auch noch einen weiteren Grund, warum das Kind vielleicht nicht kooperieren

00:46:00: kann, wenn es die Jacke anziehen muss.

00:46:02: Stellt dir vor, du bist mit dem Kind aufgestanden und hast dann von dem Kind erwartet, dass

00:46:09: es leise sein soll, dass ordentlich essen soll, dass sich ordentlich hinsetzen soll beim

00:46:12: Essen, dass es die Blumen nicht anfassen soll, dass es irgendwie auf die richtige Art und

00:46:17: Weise die Zähne putzen soll und dass es auch bitte warten soll, bevor es das Türchen

00:46:22: beim Weihnachtskalender öffnet.

00:46:24: Das hat sich so angehört wie so ein klassischer Morgen bei uns.

00:46:27: Genau.

00:46:28: Ich glaube, das passiert schnell, dass man den Kind halt wirklich viele Anweisungen

00:46:32: gibt.

00:46:33: Und mit jeder Anweisung, die wir unseren Kind geben, müssen die erstmal diese Anforderungen,

00:46:40: die wir an sie stellen, analysieren.

00:46:42: Also auch die Sprache verarbeiten und erstmal verstehen, was wollen wir von denen.

00:46:46: Und dann müssen sie noch irgendeine Handlung.

00:46:50: Also kommt auf einen, ob sie etwas tun sollen oder ob sie etwas lassen sollen.

00:46:54: In beiden Fällen müssen ja auf jeden Fall ihre Impulse unterdrücken, sich gewissermaßen

00:46:59: auch konzentrieren, sich regulieren.

00:47:01: Und dann, wenn sie irgendwas tun müssen, müssen die auch noch diese Handlung planen

00:47:05: und umsetzen.

00:47:06: Und das sind eben wieder komplett Sachen, die vom präfrontalen Cortex gemacht werden.

00:47:12: Der noch ganz klitzeklein ist, ein Baby Cortex.

00:47:14: Aber sehr, sehr wichtig.

00:47:15: Ja, genau.

00:47:16: Und das ist ein Baby Cortex bei den Kindern.

00:47:19: Genau.

00:47:20: Und das Ding an dem präfrontalen Cortex ist, der hat nämlich nur begrenzt Ressourcen.

00:47:25: Also bei allen, auch bei Erwachsenen.

00:47:29: Also deshalb, nach einem, was ist ich, wie lang Arbeitstag, ist man nicht mehr ganz auf

00:47:33: der Höhe und so.

00:47:34: Deshalb sagt man auch immer, wenn man so Disziplin, bla, bla, bla, ja morgens ist die Disziplin

00:47:39: immer einfacher und abends nicht.

00:47:41: Und deshalb greifen alle Angst zur Schokolade.

00:47:44: Ja, und es ist tatsächlich auch so, dass die Leistungsfähigkeit bei vielen Menschen

00:47:48: dann abends abnimmt, auch an sich schon vom Tagesrhythmus her.

00:47:51: Aber bei Kindern ist eben so, die haben noch nicht so viele Ressourcen.

00:47:55: Und mit jeder Anforderung, die wir stellen, verbrauchen sich diese Ressourcen.

00:47:59: Und wenn keine Ressourcen mehr da sind, dann funktioniert der präfrontale Cortex auch

00:48:02: nicht.

00:48:03: Und der ist ja zuständig für die Kooperation.

00:48:06: Also dann können Kinder auch nicht kooperieren.

00:48:08: Kommen sie dann auch automatisch in den Stressmodus.

00:48:10: Also ist quasi immer, wenn der präfrontale Cortex überfordert ist, sind sie dann direkt

00:48:15: im Fight of Light-Mode oder sind sie auch einfach vielleicht so wie so aufgehängt?

00:48:19: Nee, sind sie nicht.

00:48:20: Also so wie ich das verstanden habe, wie ich das glaube, ist ja der präfrontale Cortex.

00:48:25: Also die Amygdala ist halt sehr, sehr stark bei Kindern.

00:48:27: Und der präfrontale Cortex ist so der Teil, der das noch eindämmen kann.

00:48:31: Und wenn er nicht die Ressourcen hat, also weil der ist ja für die Selbstkontrolle zuständig

00:48:36: und für die Regulation.

00:48:38: Und wenn er nicht richtig arbeiten kann, ist das auch nicht möglich.

00:48:40: Und das ist auch unter anderem ein Grund, wenn man zum Beispiel die Kinder aus der Kita

00:48:45: abholt und die dann einfach nur noch wütend sind und ausrasten, so, die haben da wahrscheinlich

00:48:51: sehr, sehr viel kooperiert und sehr viel Anforderungen gestellt bekommen.

00:48:54: Und dann sind die einfach durch damit.

00:48:56: So dann brauchen die, also die Ressourcen, die laden sich auch wieder auf, wenn die eine

00:49:00: Pause bekommen.

00:49:01: Deshalb auch immer Pro-Tip Essen mitbringen.

00:49:04: Das Gehirn verbraucht ja wahnsinnig viel Energie.

00:49:06: Ja genau, das ist an sich.

00:49:08: Gerade der präfrontale Cortex ist ein Riesenenergiefresser und der funktioniert nicht richtig, wenn man Hunger

00:49:12: hat.

00:49:13: Aber das Ding ist auch, wenn man Hunger hat, dann wird auch der Kampf um Fluchtmodus eingeleitet.

00:49:18: Ja, logisch, weil man sollte ja auch jagen gehen.

00:49:20: Weil der Körper schlägt dann Alarm.

00:49:21: Oh, Blutzuckerspiegel ist niedrig.

00:49:23: Und das war bei Gespräche für den Mithirn und Herz von Ben Kimura Gross.

00:49:27: Der hat dann halt gesagt, also man weiß, das riecht da vor dem Mittagessen weniger...

00:49:33: Härtere Urteil-Sprechen.

00:49:35: Härtere Urteil-Sprechen.

00:49:36: Nein, wie gemein.

00:49:37: Das ist ja richtig schlimm.

00:49:39: Ja, es ist so.

00:49:40: Und das liegt daran, dass der Blutzucker niedrig ist und dadurch aggressiver sind als im Kampf

00:49:43: um Flucht.

00:49:44: Also immer zum Gericht auch hier schnell Schokolade.

00:49:46: Ja, oder auch zu einem wichtigen Meeting und so Essen verraten, Keksen mitzustellen oder

00:49:51: so.

00:49:52: Kleiner Pro-Tip an der Stelle.

00:49:54: Und heiße Getränke sind auch gut für eine Ruhemodus.

00:49:57: Ja.

00:49:58: Gut, nur kleine Tipps noch am Rande, kleinen Lebenstipps, wieder zurück zu Kindern.

00:50:02: Und jetzt kommen Sachen, die du schon gesagt hast.

00:50:07: Es kann auch sein, dass das Kind es einfach blöd findet zu gehen.

00:50:12: Du hast gesagt, dass das Kind kein Bock hat.

00:50:14: Aber vielleicht findet es jetzt einfach...

00:50:16: Also vielleicht wurde es jetzt überrascht, dass es los muss.

00:50:19: Das würde halt auch Alarm triggern.

00:50:20: Das wären wir beim ersten Fall.

00:50:22: Aber vielleicht findet es das Kind, dass einfach unfair, dass es gehen muss.

00:50:26: Oder vielleicht findet es einfach ungerecht, dass es jetzt in Jacke anziehen muss.

00:50:29: Vielleicht findet es, dass es warm ist und findet es ungerecht.

00:50:32: Das ist voll logisch.

00:50:34: Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht.

00:50:36: Weil Kinder können ja auch noch gar nicht so weit denken.

00:50:38: Also die können auch noch gar nicht so weit planen.

00:50:39: Dass sie jetzt auch gerade so kleine Kinder, wenn denen gerade in dem Moment warm ist und

00:50:43: die dann in Jacke anziehen sollen, ist ja auch scheiße.

00:50:46: Genau.

00:50:47: Deshalb hilft es auch manchmal kurz vor die Tür zu gehen und die Jacke mitzunehmen.

00:50:51: Weil denken, her ist doch warm, was soll ich in Jacke anziehen.

00:50:54: Und Kinder kooperieren nicht, wenn sie sich unfair behandelt fühlen.

00:50:57: Oder auch wenn sie sich respektlos behandelt fühlen.

00:51:00: Oder wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Integrität angegriffen wird, dann verweigern

00:51:04: sie halt die Kooperation.

00:51:05: Ist es auch alles, löst das alles Alarm aus oder woran liegt das?

00:51:08: Das weiß ich gar nicht.

00:51:10: Das ist eher so, was man beobachtet hat, dass es der Fall ist.

00:51:14: Aber ich kann mir vorstellen, dass es schon auch Alarm auslöst.

00:51:17: Ja, das wird auch, ich denke schon, dass es auch am Ende wird es wahrscheinlich auch

00:51:22: so, am Yctala Trigger und so.

00:51:23: Die gehen ja auch in Kampfmodus, wenn sie ungerecht behandelt werden.

00:51:26: Man muss sich halt auch überlegen, es gibt ja immer ein Spannungsfeld zwischen Kooperation

00:51:30: und Integrität und Respekt.

00:51:32: Und nochmal, Gedankenspiel zu Wildbeuterzeiten.

00:51:35: Dort war Respekt und Integrität in der Gruppe genauso wichtig wie Kooperation.

00:51:41: Weil wenn man nicht respektvoll behandelt worden ist, war es genauso tödlich früher

00:51:45: wie, wenn man nicht kooperiert hat.

00:51:47: Deshalb gibt es da auch so ein Spannungsfeld zwischen den beiden.

00:51:49: Und was du am Anfang ja auch noch gesagt hast, ist, dass man vielleicht mit einer unbewussten

00:51:53: Erwartung reingeht.

00:51:54: Und ich stelle mir das manchmal so vor, also ich kenne das auch mir selbst, dass ich dann

00:51:59: die Kinder morgens fertig mache und hatte ich den Tag davor, als vielleicht gar nicht

00:52:02: geklappt da, da sind die richtig wütend geworden und so.

00:52:05: Und dann komme ich schon mit der Jacke an und denke mir so, scheiß jetzt geht es wieder

00:52:09: los.

00:52:10: Und hab aber in dem Moment schon diese Erwartung.

00:52:11: Und was wir ja schon gelernt haben, ist, dass Kinder so diese unbewussten Erwartungen

00:52:16: spüren.

00:52:17: Also die merken das auch durch die Spiegelneuronen, durch die Mikro-Expressionen.

00:52:21: Die merken das.

00:52:23: Und dann kooperieren sie vielleicht verdeckt.

00:52:25: Vielleicht merken die, jetzt wird erwartet, dass ich ausraste oder jetzt wird erwartet,

00:52:29: dass ich wegrenne und kooperieren mache, dass das wir erwarten.

00:52:32: Ich möchte dazu noch sagen, dass, also du hast mir das vorher schon alles erklärt,

00:52:37: deshalb weiß ich das jetzt auch schon, auch wenn ich manchmal sehr überrascht habe.

00:52:40: Vieles wusste ich auch noch nicht.

00:52:41: Aber eine Sache, die ich auch mega spannend fand, was du mir gestern erzählt hattest,

00:52:45: nach deiner Recherche war, nämlich, dass du meintest, dass, also so wie so eine kognitive

00:52:51: Dissonanz auch entsteht, wenn jetzt die Spiegelneuronen eins wahrnehmen und der Brief von Tag

00:52:55: alle Cortex durch die Sprache was anderes verarbeitet und dass das so kompliziert für diesen Baby-Cortex

00:53:01: von unseren kleinen Kindern sein kann, dass quasi, also nehmen wir an, die mussten den

00:53:06: ganzen Morgen nicht kooperieren, aber also die haben quasi volle Energie, die volle

00:53:11: Energiereserve, aber dann kommt so eine krasse Dissonanz, nämlich ein gestresster Mann, der

00:53:16: irgendwie das eine sagt, aber ich lese heraus, er will das ganz andere und dann ist der Cortex

00:53:21: so, ich will es verarbeiten, aber es funktioniert einfach nicht und hängt sich einfach so auf

00:53:26: und boom, ist die ganze Energie einfach schon aufgebaut.

00:53:28: Ja, ich weiß nicht, ob der sich aufhängt, aber es ist ja trotzdem so, wenn...

00:53:31: Natürlich hängt er sich nicht auf.

00:53:32: Genau, wenn wir, deshalb sagen wir auch immer, Klarheit ist so wichtig und es ist wichtig,

00:53:36: sich auch selbst und klar darüber zu sein, was habe ich jetzt für Beweggründe, weil es

00:53:40: passiert oft, dass wir eine Sache sagen, aber eigentlich andere Beweggründe haben und das

00:53:45: merken die Kinder und weil die eben auch diese unterbewussten Erwartungen mitbekommen und

00:53:50: die erfüllen wollen, wissen sie ja dann gar nicht, wie sie kooperieren können.

00:53:53: Soll ich jetzt mit dem, was gesagt wird kooperieren oder mit dem, was gehandelt wird quasi,

00:54:00: bei dem was ich spüre durch die Körperhaltung und Explosion so.

00:54:04: Und es wird dann logischerweise bei älteren Kindern immer besser, je größer ihr kleiner

00:54:08: Baby Cortex wird.

00:54:09: Ja, um das nochmal kurz zusammenzufassen, wenn Kinder gestresst sind, haben sie nicht

00:54:13: Zugriff auf den Teil des Gehirns, der für die Kooperation zuständig ist und eben dieser

00:54:19: Teil, der ermüdet auch mit der Zeit, mit den Anforderungen.

00:54:23: Ja, und da können wir ja eigentlich auch schon direkt überleiten.

00:54:25: Ich habe mich nämlich gefragt, was für Alltagstipps wir jetzt noch so am Ende mitgeben können,

00:54:30: um Kooperation in Familien im Alltag quasi zu fördern, um Eltern, wie so Tools mit an

00:54:35: die Hand zu geben, dass die Kooperation bereithaft bei ihren Kindern halt relativ groß bleibt

00:54:41: über den Tag.

00:54:42: Generell, glaube ich, ist es wichtig, dass man authentisch ist, also dass man immer

00:54:49: sich im Klaren darüber ist, was man gerade erwartet und was man gerade fühlt.

00:54:53: Ich glaube, was man gerade fühlt, das ist auch ein bisschen schwierig, aber vielleicht

00:54:56: auch einfach mal kurz, wenn ihr merkt, eine Situation läuft gerade nicht, wie ich mir

00:54:59: das vorgestellt habe.

00:55:00: Einmal mal kurz dreimal tief durch atmen, vielleicht sogar die Augen zu machen und einfach nur

00:55:04: wie so ein Body-Scan einfach durch den Körper gehen, wie ihr euch eigentlich gerade fühlt.

00:55:09: Und ich habe festgestellt, ich fand, es war immer so abgetroschen dieses, ja, das ist

00:55:12: aktiv durchatmen, irgendwie dreimal am Tag, das hilft beim Stressabbau und so, aber das

00:55:17: stimmt halt tatsächlich.

00:55:18: Also wenn man halt richtig so durch die Nase ein und durch den Mund ausatmet, das hilft

00:55:22: wirklich aktiv beim Stressabbau.

00:55:24: Am besten auch so richtig tief atmen.

00:55:26: Ja, richtig richtig, dauerlativ so in den ganzen Körper rein.

00:55:29: Und was auch hilft, ist lachen.

00:55:32: Macht ein Witz oder lacht über die Situation.

00:55:34: Ja generell.

00:55:35: Das sind halt beides einfach Möglichkeiten, um in den Ruhemodus zu kommen.

00:55:38: Ja, bei lachen finde ich auch generell oder bei albern, dass man, wenn diese Stimmung

00:55:45: eher so ein bisschen gestresst ist, dass sie bevor sie quasi in den Wut umkippt, dass

00:55:49: man da das oft noch retten kann durch herumblödeln.

00:55:52: Aber ich habe auch gemerkt, weil mir persönlich zieht herumblödeln manchmal auch richtig

00:55:57: viel Energie.

00:55:58: Wenn ich eigentlich gerade selber Low-Energie bin, dann hilft es mir manchmal mehr, die

00:56:02: Kinder auch in eine Low-Energie zu bringen, indem ich halt selber mich ganz ganz doll runter

00:56:06: reguliere und dann quasi diese Ruhe wie so fast greifbar ausstrahle.

00:56:11: Aber da ist es halt, denke ich, auch wichtig, dass ihr euch immer mehr im Alltag im Klaren

00:56:15: seid, was wollt ihr eigentlich wirklich und was wollt ihr nicht.

00:56:19: Und da haben wir jetzt auch schon öfter ein Podcast drüber gesprochen.

00:56:22: Findest auch wichtig, dass ihr dann auf solche Formulierungen wie "ich will" zurückgreift,

00:56:26: wenn ihr das wirklich auch wollt, weil dann macht nun sich auch nochmal mehr Gedanken

00:56:31: darüber, was man will und was nicht.

00:56:32: Man muss sich halt auch überlegen, ich finde es jetzt eigentlich ganz gut, wenn du das

00:56:36: und das machen würdest, das muss das Kind ja analysieren und das kennt ja die Wörter

00:56:40: eigentlich ganz gut und so.

00:56:43: Und das ist halt viel, viel schwerer auch zu analysieren, weil es halt eben nicht so

00:56:47: klar ist, ja was denn nun eigentlich, ja oder nein.

00:56:50: So das kann das Kind ja nicht richtig verstehen dann.

00:56:53: Genau und wenn dann die Körpersprache dazu doch zusätzlich nicht eindeutig ist, kann

00:56:57: es halt einfach auch schon dazu führen, dass die Kinder halt gar nicht mehr wissen, was

00:57:01: von ihnen erwartet wird.

00:57:02: Und wenn ihr halt auf einfache Sprache zurückgreift, wie halt Kinder ja auch selber Kinder

00:57:06: sagen ja auch "ich will XYZ", dann ist es halt für sie erstens einfach zu verarbeiten

00:57:10: und für euch selber aber auch einfacher herauszufinden, wie eure Haltung ist.

00:57:14: Und so als kleiner Tipp, wenn ihr jetzt generell einfach so bei euch bleiben wollt mit Formulierung,

00:57:20: könnt ihr auch zum Beispiel so was sagen wie "ich mag das und das" oder "ich mag das

00:57:22: und das nicht", dann wissen eure Kinder auch immer wo ihr steht und dann haben sie auch

00:57:26: immer quasi die Möglichkeit zu kooperieren, mehr muss man eigentlich gar nicht tun.

00:57:30: Generell haben wir ja auch schon darüber gesprochen oder hast du ja auch schon erzählt, dass

00:57:34: Sprache zu verarbeiten, auch viel Energie bei den Kindern zieht.

00:57:38: Deshalb denke ich, dass auch ein guter Weg ist und das sage ich auch voll oft zu dir

00:57:42: tatsächlich einfach machen.

00:57:45: Nicht reden, einfach machen als zum Beispiel morgens, wenn die Kinder nicht kommen, also

00:57:49: wenn zum Beispiel eins unserer Kinder ja immer dieses Fang spielt, spielt quasi.

00:57:53: Ich mach dann einfach nicht mit beim Fang, ich laufe ihn nicht hinterher, ich sag hier

00:57:58: auch nicht nochmal "ich will die Jacke anziehen, ich habe ihr das einmal gesagt"

00:58:00: und dann mach ich das andere Kind fertig, zieh meine Schuhe an, zieh meine Jacke an

00:58:04: und spätestens dann, wenn ich den Schlüssel in der Hand halte um quasi rauszugehen, hat

00:58:08: das andere Kind auch die Jacke schon an.

00:58:10: Weil die mitmachen einfach, die wissen was von ihnen erwartet wird und wenn man nicht

00:58:14: ewig drauf rumreitet, gibt man ihnen auch so ein bisschen die Zeit, hat diese Integrität

00:58:18: und den Respekt quasi zu wahren und sich so ein bisschen die Minuten zu nehmen bis man

00:58:23: sich bereit fühlt.

00:58:24: Als erwachsene Person geht man auch erst dann los, wenn man sich bereit fühlt.

00:58:28: Also wenn du mir sagst "komm, wir gehen jetzt raus", dann sag ich, wenn ich gerade mit irgendwas

00:58:31: beschäftigt bin, sag ich auch "moment kurz, ich mache noch x, y, z" und wir sind es halt

00:58:35: voneinander gewohnt aufeinander zu warten.

00:58:37: Bei Kindern ist diese Toleranz halt oft viel geringer, aber ihr könnt auch einfach, ich

00:58:41: würde damals anderem zuwenden und dann einfach auch gehen und nicht dem Kind dann ewig hinterherrennen.

00:58:46: Also was ich auch dann oft mache, ist dann einfach schon in den Flur rausgehen und dann

00:58:50: dort warten, damit das Kind halt wirklich auch sieht "ich will jetzt los, ich will,

00:58:53: das ist kein Spaß" oder so.

00:58:55: Ja genau, das ist ja auch total widersprüchlich, wenn man jetzt dem Kind hinterherrennt.

00:58:59: Wenn das gerade so ein Spielmodus ist, man rennt hinterher und sagt "komm, wir müssen

00:59:04: jetzt los", dann denkt das Kind einerseits "jetzt wird mir gespielt" und andererseits wird

00:59:08: das gesagt, das ist auch total unklar für das Kind.

00:59:12: Und darf ich noch einen kurzen Punkt sagen, der ist mir gerade eingefallen.

00:59:15: Ich hatte auch gesagt, dass Respekt und Integrität extrem zuträglich ist, damit Kinder kooperieren

00:59:22: können.

00:59:23: Ich habe gerade auch ein bisschen an die Bindungstheorie gedacht.

00:59:26: Ich glaube mich auch, dass eine gute Bindung zu einer Person auch extrem zuträglich ist

00:59:31: für Kooperation.

00:59:32: Habe ich auch aufgeschrieben.

00:59:33: Bei Kinder kooperieren jetzt nicht mit jedem wild fremden oder mit Leuten, die sie nicht

00:59:38: mögen.

00:59:39: Ne genau, also Beziehung steht an erster Stelle.

00:59:41: Kinder müssen euch vertrauen, um zu kooperieren und gleichzeitig müsst ihr aber auch euren

00:59:45: Kindern vertrauen.

00:59:46: Also wie dieses jetzt, ihr sagt "ich erwarte von dir oder ich will, dass du deine Jacke

00:59:50: anziehst" und wenn euer Kind weggrennt, dann zieht ihr eure Jacke an und vertraut einfach

00:59:55: darauf, dass euer Kind zurückkommt und mitkommt.

00:59:57: Das ist quasi auch wie so eine Ausstrahlung, glaube ich, die man dadurch einfach hat.

01:00:03: Ja, aber es strahlt ja auch Klarheit aus dann in den Moment.

01:00:06: Ja, und ich habe mir jetzt auch gerade überlegt, ob es dann vielleicht auch sinnvoll sein könnte,

01:00:11: wie so den Ausgang der Situation zu manifestieren.

01:00:14: Also manifestieren ist da das falsche Wort.

01:00:16: Ich würde es glaube ich einfach visualisieren.

01:00:18: Also wenn man jetzt zum Beispiel einen stressigen Morgen am Tag davor hatte und auf gar keinen

01:00:22: Fall will, dass der Tag wieder so stressig wird, aber merkt, dass man sich so ein bisschen

01:00:25: in so negativen Gedanken einfach so aufhängt, vielleicht auch einfach mal ganz bewusst irgendwie

01:00:30: sich den Ausgang der Situation vorstellen, vielleicht ihn sogar aufschreiben am Abend

01:00:35: davor, wenn man die Zeit findet und halt auch so richtig das dann so visuell durchgehen

01:00:40: und ich glaube, dann kann man auch schon viel mehr so eine Klarheit ausstrahlen in Kindern

01:00:44: gegenüber, weil man dann quasi schon dieses Vertrauen einmal wie so geübt hat.

01:00:48: Weißt du es sich meiner?

01:00:49: Exakt.

01:00:50: Genau so ist das nämlich.

01:00:52: Dann strahlst du halt auch mit einer Erwartungshaltung, also stellst du auch diese unbewusste Erwartung

01:00:56: in die richtige Richtung quasi an die Kinder, dann sind unbewusste Erwartungen, dass das

01:01:01: du sagst und wie du handelst, auf einer Linie.

01:01:03: Genau.

01:01:04: Das heißt nicht, dass das dann alles gleich funktioniert, aber das macht halt die Wahrscheinlichkeit

01:01:09: für so eine destruktive Kooperation einfach viel geringer.

01:01:12: Ja, genau.

01:01:13: Und halt so generell so wenig Anweisungen wie möglich über den Tag verteilt, also

01:01:18: oder halt jetzt auch, nehmen wir jetzt einfach mal so die erste Stunde am Morgen, dass dann

01:01:23: also zum Beispiel einfach den Tisch stecken mit verschiedenen Sachen, die sich die Kinder

01:01:29: selbst nehmen können, dadurch haben sie wieder die Möglichkeit, autonomie zu erfahren,

01:01:33: als wenn man ihnen einfach irgendwas vorstellt, was sie jetzt essen sollen.

01:01:36: Und so bleibt ja dann auch quasi diese Kooperationsressource, bleibt da dann auch eher noch bestehen,

01:01:42: die halt quasi über den Morgen verteilt die Möglichkeit haben zu kooperieren und feste

01:01:46: Routinen, weil Routinen sind vorhersehbar und Vorhersehbarkeit löst keinen Alarm aus.

01:01:51: Ja, genau.

01:01:52: Vorhersehbarkeit ist auch sehr zuträglich und ich glaube, es ist extrem wichtig, dass

01:01:55: wir einfach darauf achten, wie viele Anweisungen wir Kinder geben.

01:01:59: In Portugal habe ich mich mit einem Vater unterhalten und er meinte auch so, ja, die

01:02:04: Deutschen sind immer so, do this, do that, lass das.

01:02:07: Und es ist tatsächlich, man muss halt erst mal merken, wie viele Anforderungen wir eigentlich

01:02:11: an Kinder stellen, wie viele wir rumlöageln und die ganze Zeit so drauf sind, weil das

01:02:17: jedes Mal eine Kooperation abverlangt.

01:02:20: Und das ist eben total schwierig.

01:02:21: Deshalb Choose Your Battles ist total gut und einfach darauf achten, wenige Anweisungen

01:02:27: zu geben.

01:02:28: Aber ich finde, Choose Your Battles klingt immer so blöd, weil es ist ja kein Kampf.

01:02:33: Also ich verstehe den Begriff.

01:02:35: Also es geht einfach darum, dass man sich überlegt, was einem wichtig ist und was nicht.

01:02:38: Und das ist ja im Prinzip auch dasselbe, wenn man sagt, was man will.

01:02:42: Und ich finde irgendwie, dass dazu auch gehört, dass man halt einfach auch bestimmte Dinge,

01:02:50: die getan werden müssen, wie jetzt auch einfach vormacht und dass man auch da dann wenig

01:02:54: Spielraum lässt und bei Dingen, die halt immer wieder weniger optional sind, entweder gar

01:02:58: nichts sagt oder einfach nur halt bei sich selbst bleibt.

01:03:01: Also zum Beispiel, weiß ich nicht, wenn mein Kind, jetzt morgens, heute Morgen hatten wir

01:03:05: die Situation, hat mein Kind irgendwie so Marmelade in den Finger gehabt und wollte mir

01:03:07: in die Haare fassen, ich mag das nicht, ich will nicht, dass du das machst.

01:03:10: Dann hat mein Kind oder unser Kind einfach weitergemacht und man könnte sich jetzt

01:03:14: überlegen, welches Bedürfnis steckt dahinter, blah blah blah.

01:03:16: Ich bin mir ehrlich gesagt der Meinung, dass da eigentlich gar kein Bedürfnis dahinter steckt,

01:03:19: sondern einfach nur wie so eine Art Interaktion stattfindet.

01:03:23: Also ich finde es zu dogmatisch, sich jedes Mal zu überlegen, welches Bedürfnis steckt

01:03:26: dahinter, weil ich glaube, oft ist es auch einfach gar nichts.

01:03:28: Dann ist unser präfrontaler Cortex gleich ganz schnell im Eimer, wenn wir uns das jetzt mal

01:03:32: überlegen.

01:03:33: Ja, weil einfach, es ist auch nicht immer alles irgendwie hat so einen deepen Grund, nur weil

01:03:37: es jetzt ein Kind ist.

01:03:38: Und dann war ich halt einfach so, okay, dann nervt es, nervt mich jetzt gerade, jetzt setze

01:03:43: ich mich halt einfach weg, so dass man halt solche Situationen auch einfach dann eigene

01:03:46: Grenzen so einfach durchsetzt, ohne das jetzt irgendwie 10.000 mal zu belabern, sondern

01:03:50: einfach dann die Konsequenz hat daraus zieht und sich an einen anderen Platz setzt zum

01:03:53: Beispiel.

01:03:54: Ja, und was auch noch extrem wichtig ist, ist, dass Kinder ausgeschlafen sind und satt sind.

01:03:59: Ja.

01:04:00: Weil ein übermütetes Kind hat weniger Ressourcen zu kooperieren.

01:04:05: Unmüteten Kind sind übrigens auch die, ist der Stress vom Mundspiegel im Blut eh schon

01:04:09: erhöht.

01:04:10: Das heißt, die amügterlas auch tendenziell eher aktiviert dann.

01:04:13: Ja, oder halt der Kampf- und Fluchtmodus noch eher präsent, ja auf jeden Fall.

01:04:17: Und auch satte Kinder, weil wenn man hungrig ist, man wird hangry halt.

01:04:22: Man kommt halt dadurch in Kampf- und Fluchtmodus, hat ich ja schon gesagt, aber das ist wichtig,

01:04:26: dass erfüllt es bei dem Kind.

01:04:28: Ja.

01:04:29: Und was ich auch so generell noch als Tipp mitgeben kann, ist halt so, das Kind auch

01:04:32: einfach mit einzubeziehen, wenn man wirklich nicht weiter weiß.

01:04:35: Also zum Beispiel um Zähne putzen.

01:04:37: Natürlich ist es irgendwie auch viel verlangt, von einem zweijährigen Kind zu sagen, ja,

01:04:41: kannst du mir bitte sagen, warum du nicht gerne eine Zähne putzt.

01:04:44: Aber das Kind einfach auch so spürt so, hey, Mama, will mir die Zähne putzen und siehst

01:04:48: grad wirklich auch verzweifelt.

01:04:49: Das überträgt man dann ja trotzdem auch mit, als wenn man einfach in den Kampf geht.

01:04:52: Dass man wirklich sagt, so, mir ist es wichtig, ich will dir unbedingt Zähne putzen.

01:04:56: Ich hab grad keine Lösung, hast du vielleicht eine, dass das Kind sich einfach auch wieder

01:04:58: so respektiert und ernst genommen fühlt.

01:05:00: Und gleichzeitig auch manchmal einfach offen zu sagen, du trägst jetzt die Verantwortung

01:05:06: für XYZ.

01:05:07: Also zum Beispiel hatten wir jetzt irgendwie mal ein Problem, dass halt so ein Kind was

01:05:13: zu Besuch kommt, sich nicht so an die Regeln hält wie bei uns und dass unser Kind dann

01:05:17: da aber auch mitgemacht hat.

01:05:19: Und dann haben wir zu unserem Kind gesagt, dass das übrigens deine Verantwortung dem

01:05:24: Kind, was mit dir befreundet ist, was sich nicht so gut an unsere Regeln halten kann,

01:05:28: welche Regeln beizubringen, weil du kennst unsere Regeln doch schon auch.

01:05:31: Und man würde jetzt meinen, so ein vierjähriges Kind kriegt das nicht hin, aber das ist halt

01:05:36: also wirklich weit gefehlt, weil die wissen ja wirklich, welche Regeln so zu Hause gelten.

01:05:40: Und es war halt sehr spannend, weil unser Kind halt wirklich von jetzt auf gleich sein Verhalten

01:05:44: sehr verändert hat und da auch sehr dran gewachsen ist.

01:05:47: Natürlich klappt das nicht immer, aber halt auch einfach so Wörter in den Mund zu nehmen,

01:05:50: wie das ist jetzt deine Verantwortung in dem Rahmen, in dem die Kinder das auch tragen

01:05:53: können, ist auch gar nicht so verkehrt.

01:05:55: Voll.

01:05:56: Weil sie dann ja auch das Gefühl haben, sie tragen einen wichtigen Teil zur Gruppe

01:05:59: bei und wenn man einen wichtigen Teil zur Gruppe beiträgt, dann ist die Bereitschaft

01:06:02: zu kooperieren auch wieder größer.

01:06:04: Ja.

01:06:05: Und was wir auch zum Beispiel morgens machen und das ist so gesehen auch total geschickt,

01:06:11: wir machen die Kinder fertig, dass es halt dann die Zeit in denen Anforderungen gestellt

01:06:16: werden und dann dürfen die Kinder noch spielen.

01:06:19: Also wir versuchen, unser Morgen so zu gestalten, dass noch zehn, zwanzig Minuten zum Spielen

01:06:24: übrig bleiben, wo die dann einfach für sich was machen können.

01:06:26: Und das ermöglicht den Kindern auch eine Erholungsphase, dass die halt auch Ressourcen

01:06:31: zum Kooperieren wieder zurückbekommen.

01:06:33: Und dann ist das tatsächlich losgehen einfacher.

01:06:36: Und generell Kooperationsmomente, spielerisch gestalten hilft natürlich auch, weil sie dann

01:06:40: nicht mehr so, weil der Druck dann einfach geringer ist.

01:06:43: Also zum Beispiel beim Zähneputzen, Zahnsputz, Spielspielen oder was wir auch, was bei unseren

01:06:48: Kindern super ankommt, ist so Verbotsspiele.

01:06:50: Du hast auf gar keinen Fall deinen Schlafanzug ausziehen, das ist verboten.

01:06:53: Und dann ist das Schlafanzug, was duschen, das geht ja gar nicht.

01:06:57: Oder hier Hände waschen.

01:06:58: Das war, unser eines Kind wollte nie Hände waschen, aber ich so, du darfst deine Hände

01:07:01: nicht waschen.

01:07:02: Du hast auf gar keinen Fall dann, und dann hat das Kind so die Hände unter die, unter die,

01:07:07: und dann war ich so, was machst du jetzt?

01:07:08: Warum wäscht du jetzt deine Füße?

01:07:10: Und dann war das Kind so, hey, sind doch nicht meine Füße, sind doch meine Hände.

01:07:12: Und ich war so, ah, und so.

01:07:13: Und so, und seitdem ist das irgendwie auch gar nicht mehr so, das löst halt manchmal auch

01:07:16: so voll so einen Konflikt.

01:07:17: Ja genau, weil auch Spaß haben und Stress sich auch gegenseitig ausschließen in dem

01:07:22: Moment so.

01:07:23: Voll.

01:07:24: Voll, und das hilft natürlich auch enorm.

01:07:25: Ich habe mir jetzt hier noch aufgeschrieben, Kind nicht ständig bitten und ich finde,

01:07:29: das ist auch wirklich wichtig.

01:07:30: Wenn ihr was von eurem Kind erwartet, dann sagt es auch klipp und klar und sagt nicht

01:07:34: immer bitte, du dies, bitte, du jenes, es ist keine Bitte, eine Bitte ist immer nur Option.

01:07:38: Ja.

01:07:39: Ja, ich sage dann eher so, ich erwarte, das sind das.

01:07:44: Genau.

01:07:45: Manchmal sage ich auch bitte, aber wenn ich es als Bitte meine, du ist auch okay.

01:07:48: Aber nicht zu allem immer, nicht bei allem bitten, das sei gibt es schon keinen Sinn.

01:07:52: Magst du mir bitte die Socken?

01:07:53: Nein, okay, kein Problem.

01:07:55: Ja, genau, also bitte sage ich auch nur, wenn es mir egal ist.

01:07:58: Ja, genau.

01:07:59: Okay.

01:08:00: Cooli.

01:08:01: Wir hoffen, ihr findet das interessant und das es euch weiter hilft und freuen uns,

01:08:07: wenn ihr auch nächsten Mittwoch wieder dabei seid beim Mutti-Mittwoch.

01:08:10: Bis dann.

01:08:11: Tschüss.

01:08:12: [Musik]

01:08:31: Untertitel im Auftrag des ZDF, 2017

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